Allegri liefert vor milan-turin die kampfansage: „kein zweifel, wir wollen alles

Milanello, 12 Uhr. Massimiliano Allegri tritt vor die Presse, lässt den Blick einmal über die Köpfe schweifen, dann kommt die Ansage ohne Umschweife: „Samstag ist kein Spiel wie jedes andere. Wer zweifelt, hat im Stadio nichts verloren.“

Der AC Mailand empfängt den FC Turin zum Topspiel des 30. Spieltags, Anstoß 18 Uhr im Giuseppe-Meazza. Die Tabelle spricht klare Sprache: Milan liegt mit 60 Punkten auf Platz zwei, acht Zähler hinter Stadtrivale Inter, einen vor Verfolger Neapel. Turin parkt auf Rang 14 bei 33 Zählern – für Europapokalträume zu weit weg, für Abstiegsangst zu weit weg. Genau die Sorte Gegner, gegen die Milan in dieser Saison schon stolperte.

Die rechnung ist dennoch simpel

Gewinnt Milan, verkürzt der Vorsprung auf Inter auf fünf Punkte und der Druck auf die Nerazzurri steigt vor dem Spitzenspiel in Florenz. Verliert Milan, flaut der Titelkampf endgültig ab. Allegri kennt die Mechanik: „Wir müssen die Kiste vor dem Karussell abschließen, bevor es zu schnell wird.“

Die Personalie Rafael Leão dürfte die größte Baustelle bleiben. Der Portugiese zog sich beim Training am Mittwoch eine Oberschenkel-Prellung zu, lief gestern nur lockeres Laufprogramm. Allegri bestätigt: „Er ist angeschlagen, aber verzichtbar ist er nur, wenn er nicht laufen kann.“ Klarer klingt die Ansage für Christian Pulisic. Der US-Boy absolvierte die komplette Einheit, wird aber wohl von der Bank starten, um in der Schlussphase für Dampf zu sorgen.

Im Tor setzt der Coach auf Mike Maignan, der nach seiner Rotsperre gegen Empoli wieder zwischen den Pfosten steht. Die Innenverteidigung bildet weiterhin die ungeschriebene Paarung Thiaudet – Tomori, links hinten rückt Théo Hernandez nach gelbgesperrtem Wochenende zurück. Auf Seiten der Gäste fehlen Perr Schuurs (Kreuzband) und Ivan Ilic (Muskelfaserriss). Trainer Paolo Vanoli muss erneut umbauen.

Die stimmung im camp kocht

Die stimmung im camp kocht

Die Curva Sud verteilte gestern Abend 20.000 rotschwarze Pappkarten mit der Aufschrift „Scudetto-Sprint“. Die Botschaft: lautstarke Unterstützung, keine Rückwärtsgang-Kultur. Allegri winkt ab: „Die Fans sind unser zwölfter Mann, aber sie können kein Tor schießen. Das machen wir auf dem Platz.“

Statistik als Warnung: Milan kassierte in den letzten fünf Heimspielen gegen Turin nur einen Sieg – drei Remis, eine Niederlage. Die letzte Heimniederlage gegen die Granata liegt allerdings acht Jahre zurück. Allegri lacht trocken: „Statistik ist für Journalisten. Für uns zählt nur der nächste Ballkontakt.“

Pikantes Detail: der Schiedsrichter Marco Guida pfiff Milan in dieser Saison zweimal – beide Male gab’s drei Punkte. Turin hingegen kassierte unter ihm schon zwei Rote Karten. Allegri zuckt mit den Schultern: „Wir brauchen keine Schiedsrichter-Hilfe, nur 95 Minuten volle Konzentration.“

Anstoß Samstag, 18 Uhr. 75.000 Fans werden erwartet, die Kasse klingelt bei 4,2 Millionen Euro. Die DAZN-Rechte sicherte sich der Streaminganbieter für 175 Millionen Euro pro Saison – ein kleiner Teil der 5-Milliarden-Euro-TV-Vergabe der Serie A. Die Kamera wird auch auf Zlatan Ibrahimovic gerichtet sein, der als Klubberater in der Loge sitzt. Sein Kommen kurz vor dem Trainingsauftakt war kein Zufall: „Er bringt die nötige Arroganz zurück“, sagt Allegri.

Die Meisterschaft ist längst keine Wunschvorstellung mehr. Sie ist eine Pflichtaufgabe, zumindest für 90 Minuten im Giuseppe-Meazza. Allegri streicht sich die Haare zurück, verlässt den Saal mit einem Satz: „Wenn wir samstag nicht gewinnen, können wir uns Montag den Urlaub buchen. Das wollen wir nicht.“