Deutschlands basketball-damen jagen olympia-form trotz gesichertem wm-ticket
Schon qualifiziert, aber noch lange nicht zufrieden: Die deutschen Basketballerinnen bestreten am Dienstag (18.30 Uhr, Karlsruhe) ihr letztes WM-Qualifikationsspiel gegen Nigeria – und nutzen die Partie als harten Testlauf für den Medien-Triumph, den sie sich im eigenen Land vorgenommen haben.
Emily bessoir schwärmt von der einmaligen heim-wm
„Eine Heim-WM spielt man nur einmal im Leben“, sagt Emily Bessoir. Die 23-jährige Berlinerin würde am liebsten sofort durchstarten, stattdessen absolviert das Team von Cheftrainer Lisa Thomaidis noch einmal Vollgas-Minuten gegen die körperbetonten Nigerianerinnen. Der Grund: Nur wer sich in der Qualifikation bewegt, bleibt in der Wettkampf-Routine. Und Routine, so die Rechnung, verhindert peinliche Ausrutscher, wenn im September 2026 in der Mercedes-Benz Arena plötzlich 14.000 Fans toben.
Die Vorzeichen sind verrückt: Deutschland ist als Gastgeber gesetzt, trotzdem reist die Mannschaft nicht entspannt in den warm-up. Der 81:73-Erfolg im Hinspiel von Lagos war kein Spaziergang, sondern ein Gefecht. Nigeria hetzte, drängte, zwang die DBB-Auswahl zu 18 Ballverlusten. Genug Stoff für Thomaidis, um an der Videoleinwand zu arbeiten.

Nba, handball, olympia – berlin wird 2026 zur sport-hauptstadt
Die Basketball-WM ist nur ein Puzzlestück im Mega-Jahr 2026. Die NBA bringt ihre Regular-Season-Spiele nach Berlin, die Handball-Europameisterschaft der Männer folgt, und schon jetzt buchen Olympia-Reiseveranstalter Kontingente für Paris 2026. Doch kein Event trägt so sehr das Label „Zuhause“ wie der Korb-Wettbewerb der Frauen. Tickets für die Vorrundenspiele gingen innerhalb von 48 Stunden weg, auf dem Schwarzmarkt sind Dreifachpreise zu sehen.
Für die Spielerinnen heißt das: Sie müssen sich mit der Doppelrolle als Hoffnungsträgerinnen und Alltagsheldinnen arrangieren. Bessoir studiert neben dem Training Psychologie in Potsdam, Center Marie Gülich managt ihre Stiftung gegen Kinderarmut, und Satou Sabally kommt direkt aus der WNBA-Playoff-Runde, um sich mit nur zwei Wochen Umstellung auf europäische Zeit zu quälen.

Medien-ziel klar ausgegeben: podest oder patzer
Verbandschef Ingo Weiss nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wir wollen Metall.“ Die letzte Medaille bei einer großen WM liegt 30 Jahre zurück – Bronze 1994. Seitdem schlichen sich die Damen durchs Mittelfeld. Das soll endet, und dafür investiert der DBB erstmals siebenstellig in Analyse-Teams, individualisierte Kraftprogramme und einen Mental-Coach, der die Spielerinnen mit Virtual-Reality-Goggles in laute Arenen schickt.
Die Niederlage gegen Spanien im letzten Sommer war ein Weckruf. Seitdem ist die Offensive um 12 Prozent effizienter, die Rebounds um 4,3 pro Spiel gestiegen. Kleine Zahlen, große Wirkung. Thomaidis spricht von „marginal gains“, also Schritten, die am Ende den Unterschied zwischen Viertelfinale und Podest bedeuten.
Am Dienstagabend wird also nicht nur ein Qualifikationsmatch abgefrühstet, sondern ein Statement gesetzt. Sollte das deutsche Team Nigeria erneut bezwingen, wäre das 20. Pflichtspielsieg in Folge – eine Serie, die vor Selbstvertrauen strotzt. Und genau dieses Selbstvertrauen, so die Hoffnung, trägt die Spielerinnen dann durch den heimischen Medien-Tsunami bis tief in den September 2026.
Die Koffer für Berlin sind gepackt, selbst wenn das Turnier noch 18 Monate auf sich warten lässt. Die Botschaft ist klar: Wer schon vorzeitig qualifiziert ist, kann sich ganz der Perfektion widmen. Deutschland hat den Vorteil, dass es nicht warten muss. Die Gegner schon.
