Rugby-trauer: französische liga vor mordanklage nach tod von medhi narjissi
Ein Schock geht
durch die französische Rugby-Szene: Die französische Rugby-Föderation (FFR) steht vor einer Anklage wegen Totschlags im Zusammenhang mit dem tragischen Tod des 17-jährigen Medhi Narjissi. Der junge Nachwuchsspieler kam im vergangenen Jahr während eines Trainingscamps in Südafrika ums Leben, und nun drohen die schwersten Konsequenzen.Die umstände des verschwindens
Narjissi verschwand im August 2024 während einer sogenannten „Erholungsübung“ am Strand von Dias, in der Nähe des Kap der Guten Hoffnung. Dieser Strand ist bekannt für seine gefährlichen Bedingungen – starke Strömungen, gefährliche Brandung und Felsen. Trotz intensiver Suche wurde sein Körper nie gefunden. Ein Bericht der Generalinspektion für Bildung, Sport und Forschung ergab bereits damals eine „mangelhafte Vorbereitung des Aufenthalts“ durch die FFR.
Die Föderation verteidigt sich vehement. Mathias Chichportich, Anwalt der FFR, betonte nach dem Auftritt des FFR-Präsidenten Florian Grill vor Gericht, dass die Entscheidung, die FFR als juristische Person anzuklagen, lediglich einen „Zwischenschritt im Verfahren“ darstelle und keineswegs eine Schuldeingeständnis bedeute. Er argumentierte, dass die Entscheidung, ein Schwimmtraining an einem unsicheren Ort abzuhalten, ein „gravierender Fehler“ sei, aber nicht die alleinige Verantwortung der FFR trage. Besonders betonte er, dass das Training „nicht geplant, autorisiert oder genehmigt“ worden sei.

Fehlende aufsicht und verpasste warnsignale
Eine interne Untersuchung der FFR hatte bereits im Vorfeld Mängel in der Organisation festgestellt. Warnhinweise am Strand wurden ignoriert oder übersehen, und die Aufsicht über das Training war „unzureichend“. Dies führte zur Entlassung des ehemaligen Athletiktrainers Robin Ladauge im August 2025 und zur Suspendierung des damaligen Trainers Stéphane Cambos für zwei Jahre, wobei ein Jahr aufgeschoben wurde. Beide wurden zuvor bereits wegen Totschlags angeklagt.
Die Familie Narjissi hat die Wut über den Verlust ihres Sohnes auf die FFR gelenkt, was aus juristischer Sicht nachvollziehbar ist. Doch Chichportich argumentiert, dass die FFR nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könne, da die Entscheidung für das Training nicht von der Föderation selbst getroffen wurde. Die Anklage wirft jedoch ein Schlaglicht auf die mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und die Verantwortungsträger, die in diesem tragischen Fall versagt haben. Die Frage, wer letztendlich für den Tod von Medhi Narjissi verantwortlich ist, bleibt weiterhin ungeklärt, doch die Anklage könnte neue Aufschlüsse bringen und möglicherweise zu einer gerechten Wiedergutmachung für die Familie Narjissi führen.
