Spanien und der giro: 30 jahre warten auf das nächste rosa
Der Giro d’Italia beginnt, und für spanische Radfans klingt das wie eine Drohung. Seit 1992 haben nur zwei Iberer die maglia rosa mit nach Hause genommen – ein Armutszeugnis, das bei Tour und Vuelta keine Parallele findet.
Warum italien unsere radler ausbremst
Die Ursache liegt im Kalender. Bis 1995 fiel die Vuelta mit dem Giro zusammen; unsere besten Leute verteilten sich, statt zu konzentrieren. Die Folge: Miguel Indurain musste 1992 den Bann brechen, bevor überhaupt jemand aus Spanien auf dem Treppchen in Mailand stand. Sein Erfolg war keine Einbahnstraße – 1993 wiederholte er den Coup, allerdings mit klopfendem Herzen: Ugrumov jagte ihn in der Kronometer-Sestriere, am Ende blieben 58 Sekunden – das schmalste Zeitpolster von Indurains Karriere.
15 Jahre nichts. Dann kam Alberto Contador, eigentlich nur vorbei, weil das Astana-Team vom Tour-Start ausgeschlossen wurde. Riccardo Riccò („La Cobra“) zwang ihn 2008 bis zur letzten Bergankunft zu zittern; die Maglia sicherte sich der Pintoer mit 1:57 Vorsprung – später würde Riccò wegen CERA positiv, doch die Statistik blieb. 2011 trug Contador zwar wieder Rosa, doch ein Clenbuterol-Befund strich die Bilanz. Die Revanche folgte 2015: Mortirolo, Materialpanne, dann das Spektakel – Contador jagt Aru und Landa auf dem steilsten Asphalt Europas, gewinnt vor Mikel Landa und schreibt sich endgültig in die italienische Mythologie ein.

Die ewigen zweiten und das nächste kapitel
Die Liste der Beinahe-Männer liest sich wie ein spanisches Who-is-Who: José Manuel Fuente, Quique Gutiérrez, Francisco Galdós, Abraham Olano, David Arroyo, Carlos Sastre, Joaquim Rodríguez – allesamt Zweite, alle mit bitterem Nachgeschmack. Die italienischen Rennorganisatoren liebten ihre Heimkämpfer, die Streckenführung war jahrzehntelang auf Kletterer aus dem eigenen Land zugeschnitten. Erst die Globalisierung des Kalenders öffnete Türen, doch die Spanier blieben aussen vor.
Dieses Jahr rollt der Corsa Rosa wieder über den Stelvio und den Zoncolan. Kein spanischer Fahrer zählt zum engeren Favoritenkreis – ein Novum, das die Statistik weiter anwachsen lässt. 30 Jahre nach Indurains Premierensieg wartet eine ganze Rad-Nation auf das nächste Rosa. Die Uhr tickt, und die Berge Italiens grinsen.
