Reitz fliegt raus – gladbach verliert seinen motor vor dem köller
Rocco Reitz darf am Freitag nicht ran. Das DFB-Sportgericht sperrte den Mittelfeldmotor von Borussia Mönchengladbach für genau ein Spiel – und das trifft den Klub dort, wo es am meisten zieht: im Kellerduell gegen den FC St. Pauli. Die Minimalstrafe ist formal ein Sieg für Reitz, faktisch aber eine kleine Katastrophe für die Fohlen.
Die szene, die alles auslöste
Zehn Minuten nach Wiederanpfiff in München griff Reitz Bayern-Stürmer Nicolas Jackson im eigenen Strafraum an. Ein klassisches „Last-Man“-Foul, keine Diskussion. Schiedsrichter Robert Schröder zückte Rot, Jamal Musiala verwandelte den folgenden Strafstoß zum 3:0. Gladbachs Coach Eugen Polanski fluchte hinterher über einen „leider Gottes zu harten“ Platzverweis – doch Regel-technisch blieb Schröder keine Wahl. Die Torchance war klar, das Foul dreckig. Die Folge: Reitz fehlt nun genau dann, wenn Gladbach am tiefsten steckt.
Die Zahlen sind gnadenlos. Ohne Reitz in der Startelf kassierte Borussia in dieser Saison acht Gegentore in zwei Partien. Mit ihm nur 28 in 24 Spielen. Die Differenz liegt nicht nur an ihm, aber sie zeigt: Reitz ist der verborgene Boss im 4-2-3-1 von Gerardo Seoane. Er gewinnt 56 % seiner Zweikämpfe, spielt 91 % seiner Pässe an, und niemand deckt so viele Laufkilometer ab. Gegen St. Pauli fehlt genau diese Dauerenergie – und das in einem Spiel, das über Seoanes Job entscheiden könnte.

Der köln-derby kommt zu spät
Am 27. Spieltag darf Reitz wieder mitwirken – dann beim Derby in Köln. Doch bis dahin muss Gladbach erst einmal Luft holen. Die Tabelle lügt nicht: Mit 22 Punkten stehen die Fohlen auf Relegationsplatz 16, nur dank des besseren Torverhältnisses vor St. Pauli. Verlieren sie das Direktduell, rutscht Borussia auf Platz 17 ab. Die Mönchengladbacher Fans haben dieses Szenario schon einmal gespürt: 2021/22 ging es am letzten Spieltag gegen Hertha BSC – damals rettete ein 2:1 den Klassenerhalt. Diesmal droht das Drama schon am 28. Spieltag.
Reitz selbst bleibt trotzdem gelassen. Der 23-Jährige wollte ohnehin im Sommer zu RB Leipzig wechseln, sein Berater pflegt gute Kontakte nach Sachsen. Die Rote Karte dürfte den Marktwert nicht kräftig senken, aber sie schweißt ihn fest ans Borussia-Abschiedsdrama. Verlässt er den Klub im freien Fall, bleibt eine Scharte. Rettet er ihn vor dem Abstieg, schreibt sich ein letztes Heldenstück. Erste Voraussetzung: gegen St. Pauli muss die Not-Elf ohne ihn punkten.
Die Leihe nach Sint-Truiden lehrte ihn, wie schnell sich Rot im Ausland rächen kann – damals flog er in Brügge nach nur sechs Minuten vom Platz. In München war es anders, aber die Konsequenz bleibt gleich: Gladbach spielt eine Halbzeit ohne seinen Antreiber. Die Saison ist 90 Minuten länger geworden – und die entscheiden sich ohne Rocco Reitz.
