Reiter tritt zurück: bayern-posten weg – 90.000 euro fließen in sozialprojekte

Dieter Reiter ist raus. Münchens OB legt alle Bayern-Mandate nieder, spendet seine kompletten Nebenverdienste und lässt die Staatsanwaltschaft prüfen, ob er sich strafbar gemacht hat. Der SPD-Mann reagiert damit auf den Shitstorm seit Wochen und sein historisch schlechtes Wahlergebnis von 35,6 Prozent.

Die Bombe platzte am Mittwoch kurz vor zwölf. In einer knappen Pressemitteilung kündigte Reiter an, dass er seinen Stuhl im Verwaltungsbeirat und im Aufsichtsrat des FC Bayern München mit sofortiger Wirkung räumt. Dabei betonte er, „als Bayern-Fan seit Kindheit“ sei ihm der Schritt „definitiv nicht leicht gefallen“. Doch der Druck war zu groß geworden.

Der zeitplan, der ihn zerlegt

Alles begann am 5. Februar. An diesem Tag wählten die Club-Funktionäre Reiter zum neuen Chef des Verwaltungsbeirats. Die Entscheidung schlug Wellen, weil das Amt mit satten 20.000 Euro Jahresgage dotiert ist – Nebentätigkeit für einen Oberbürgermeister, der eigentlich genehmigungspflichtig wäre. Reiter hatte keine Genehmigung. Das zuständige Regierungspräsidium Oberbayern prüft nun ein Disziplinarverfahren wegen Dienstpflichtverletzung.

Die Zahl, die ihn erledigte: 90.000 Euro. So viel kassierte Reiter seit Ende 2021 für seine Tätigkeit beim Rekordmeister. Er versteuerte die Summe, will sie aber nun komplett an die Integrationprojekte „Mini München“ und „Bunt kickt gut“ weiterreichen. „Das Vertrauen der Münchnerinnen und Münchner steht über allem“, betonte er. Ob das die Wähler noch rettet, ist offen.

Die stichwahl wird zur zitterpartie

Die stichwahl wird zur zitterpartie

Am 22. März muss Reiter in die zweite Runde. Sein Herausforderer Dominik Krause (Grüne) liegt nur 6,1 Prozentpunkte zurück. Der Schaden ist längst angerichtet: Verglich man Reiters Ergebnis von 47,9 Prozent 2020 mit dem aktuellen Debakel, verlor er mehr als zwölf Prozentpunkte. In der CSU-Stadt München ist das ein Warnsignal.

Intern brodelt es ohnehin. Laut Jahresabschluss kassierte der neunköpfige Aufsichtsrat der FC Bayern München AG im Geschäftsjahr 2024/25 insgesamt 680.000 Euro. Wie viel davon auf Reiters Konto floss, ließ er offen. Auch auf Nachfrage im Stadtrat blieb er vage: „Ich kann gar nicht sagen, ob und in welcher Höhe es eine Aufsichtsrats-Entschädigung gibt.“ Diese Antwort wird ihn nun in der kommenden Stadtratssitzung einholen.

Die moral von der geschichte

Die moral von der geschichte

Reiter ist nicht der einzige Politiker im Bayern-Gremium. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sitzen ebenfalls im Beirat – allerdings ohne Gage. Der Unterschied: Sie sind Bundespolitiker, nicht kommunale Beamte. Für Reiter war das Honorar ein Minenfeld, das nun explodiert ist. Die Frage ist nur, ob die Spende von 90.000 Euro reicht, um das Vertrauen zurückzukaufen. Die Stichwahl wird die Antwort liefern.