Regionalliga-reform: 65 klubs rebellieren, der dfb zögert – jetzt zählt jeder tag
Morgen wieder, 10 Uhr, Zoom-Runde der Arbeitsgruppe „Aufstiegsreform 2025“. 65 Vereine haben schon unterschrieben, der Rest schaut verstohlen auf die Uhr. Denn wer jetzt noch „weiter beraten“ will, spielt Zeitlupe, während die Saison bereits auf Hochtouren läuft. Der DFB verspricht seit Jahren, dass Meister aufsteigen – nicht irgendwann, sondern immer. Bislang lügt die Tabelle.
Der nordosten blockiert, der südwesten fürchtet reisekosten
Daniel Meyer, Sportchef des Halleschen FC, nennt es beim Namen: „Blockierer“. Er meint jene Funktionäre, die ihre Macht verteidigen, statt den Sport. Dahinter steckt ein simpler Rechenfehler: Regionalliga Nordost darf nur alle drei Jahre direkt aufsteigen, West und Südwest jedes Jahr. 65 Klubs nennen das Erpressung, der DFB nennt es „Kompromiss“. Das Kompass-Modell, ein Algorithmus, der vier 20er-Staffeln neu sortiert, soll das lösen. Doch die Gegner ziehen neue Schrecken heran: längere Busfahrten, höhere Lizenzkriterien, verlorene Derby-Partner.
Max Wuschek vom TSV Schwaben Augsburg rechnet vor: „Für uns wäre eine Süd-Staffel ökonomisch nicht machbar.“ Harald Uhr vom SC Weiche Flensburg will stattdessen die 3. Liga splitten – Nord und Süd, kürzere Trips, mehr Lokalderbys. Hubert Wolf von ZFC Meuselwitz wiederum fordert einfach mehr Plätze in Liga drei. Fünf Absteiger statt drei. Christian Benbennek, der Trainer aus Schöningen, der alle Staffeln außer dem Südwesten gesehen hat, schüttelt den Kopf: „Dann wird Liga drei noch mehr zum Minusgeschäft.“

Am ende zählt nur die frage: wer bezahlt die busreisen?
Die FSV Schöningen, geboren aus dem Zusammenschluss dreier Dorfklubs, weiß, wie schwer es ist, Feinde zu Partnern zu machen. Karsten Kräcker, Präsident, erinnert sich an die Versöhnungsfeier 2011: „Die ganz Alten sagten: Um Gottes Willen, früher waren wir Feinde.“ Heute würde eine KI entscheiden, wer wann wo spielt. Die Angst vor der Maschine steckt in jeder Kabine. Doch die Angst vor weiteren Jahren ohne Aufstieg ist größer.
Fortuna Köln signalisiert bereits Gesprächsbereitschaft. Präsident Hanns-Jörg Westendorf würde sogar drei statt vier Regionalligen akzeptieren. „Weniger Teams, mehr Qualität, bessere TV-Gelder“, lautet seine Devise. Daniel Zillken vom Bonner SC schwärmt von Eintracht Trier oder Kickers Offenbach als Gegner. Für ihn ist der DFB-Dienstreise-Algorithmus ein „neues Kapitel Traditionsfußball“.
Die Uhr tickt. Die Arbeitsgruppe kann morgen nur Vorschläge unterbreiten, entscheiden muss der DFB-Bundestag im Dezember. Sollte das Kompass-Modell erneut scheitern, droht Marcus Uhlig von Rot-Weiß Oberhausen: „Dann verursacht das auf Jahre Schaden.“ Franz Gerber aus Erfurt ergänzt: „Die jetzige Regelung ist für 85 Prozent der Klubs eine Katastrophe.“ Die Zahlen sprechen, die Meister warten. Der DFB hat den letzten Pass. Ein Fehlpass würde bedeuten: nächstes Jahr wieder Protest, wieder neue Modelle, wieder verlorene Spielzeit. Der Ball liegt beim Verband – und der tickt laut.
