Garnett kehrt zurück – und zerlegt die nba: „zu viel show, zu wenig herz"

Kevin Garnett ist wieder da. Doch statt Jubelstürmen schleudert der Hall-of-Famer den Ligaverantwortlichen eine Breitseite quer durch die ganze Liga. In seinem ersten offiziellen Interview als neuernannter Minnesota-Timberwolves-Botschafter wettert „The Big Ticket" gegen eine NBA, die seiner Meinung nach längst den Anschluss an den echten Sport verloren hat.

Das spiel ist schneller – und kälter geworden

Garnett ließ kein Blatt vor dem Mund. „So wie Anthony Edwards jedes Spiel angeht, ist er ein Spieler aus einer anderen Zeit", sagte der 49-Jährige mit sichtlichem Nostalgie-Funkeln in den Augen. „Das meine ich mit dem größtmöglichen Respekt." Doch dann der Satz, der in den Büros der Liga für kalte Schweißperlen sorgen dürfte: „Der Ball könnte sich schneller bewegen, aber es geht zu sehr um die Show."

Sein Vorwurf: Zu viel Iso-Dribbling, zu viel Instagram-taugliche Effekthascherei, zu wenig kollektive Intelligenz. „Basketball ist ein bisschen zu einem Event verkommen, es ist nicht mehr Sport", sagte Garnett. „Sport ist etwas Bodenständiges, aber jetzt schaue ich mir das an und merke, wie es präsentiert wird. Es ist so konzipiert, dass man als Zuschauer bestmöglich unterhalten wird."

Arbeitsmoral? „ich weiß nicht, ob alle vollgas geben"

Arbeitsmoral? „ich weiß nicht, ob alle vollgas geben"

Der ehemalige MVP von 2004, der 21 Jahre lang in der NBA spielte, stellt auch die Professionalität mancher Akteure infrage. „Ich weiß nicht, ob sie alle immer Vollgas geben und das Maximum aus sich herausholen", sagte er mit einem Unterton, der an alte Klassenzimmer-Standards erinnert. Für Garnett ist das ein Kernproblem: Wer sich nur an der Oberfläche der Liga orientiert, verliert das, was einst die NBA ausmachte – das tägliche, gnadenlose Arbeiten an sich selbst.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: In den vergangenen zehn Jahren stieg die durchschnittliche Dreierquote von 35,0 % auf 36,7 %, die Pace von 92,1 auf 99,2 Possessions pro Spiel. Doch Garnett interessiert keine Analytics. Für ihn zählt das Auge, und das sieht eine Liga, die sich längst selbst zur Primetime-Show umfunktioniert hat.

Sein einziger Titel holte er 2008 mit den Boston Celtics. Die Timberwolves, jenes Team, das ihn einst direkt aus der Highschool als Fünftklässler draftete, blieb ihm als Trophäe versagt. Nun kehrt er zurück – nicht als Coach, nicht als Manager, sondern als Stimme, die die Liga vor dem Spiegel ihrer eigenen Inszenierung zerbröseln lässt.

Garnetts Botschaft ist klar: Wer sich nur der Show verschreibt, verliert die Seele des Spiels. Und die kommt nicht zurück, nur weil man die Lichter noch ein bisschen heller dimmt.