Psg bremst tour-traum: milliardenklub zögert beim rad-coup

Paris Saint-Germain vor dem Sprung in die Pedale – und dann die Handbremse. Der französische Milliardenclub prüfte einen Einstieg ins Profi-Peloton, ließ das Angebot aber verstreichen. Grund: Kein Closed-Shop, keine Garantie auf Macht.

Melero packt aus: „wir wurden angefragt, trauten uns nicht“

Victoriano Melero, Generaldirektor des PSG, bestätigt im Podcast Pause das Gespräch mit Radsport-Marketingpartnern. „Man kam zu uns für ein WorldTour-Team. Die Zahlen sahen sexy aus, die Marke Tour de France ist ein 21-tägiger Nonstop-Fernsehspot quer durch Europa.“ Doch statt zu unterschreiben, landete das Dossier in der Schublade.

Intern rechneten die Qatari-Strategen gnadenlos nach. Ergebnis: Radrennen lassen sich nicht wie Fußball- oder Handball-Ligen kaufen. Kein Klub kann sich aussuchen, wann er auftritt. ASO (Amaury Sport Organisation) diktiert Kalender, Strecken, TV-Slots. Sponsoren fließen nicht gleichmäßig, sondern schwanken mit Medien- und Wetterzufällen. Ein PSG-Rennstall würde jedes Jahr neu um Startplätze betteln müssen – und das passt nicht ins Konzept einer Marke, die Kontrolle liebt.

Der preis der freiheit: 20 millionen plus risiko

Der preis der freiheit: 20 millionen plus risiko

Brancheninsider schätzen den Einstiegs-Budgetbedarf für ein Top-Team auf rund 20 Millionen Euro pro Jahr. Gegenwert: unsichere TV-Quote, kein Stadion als Einnahmequelle, dafür verpflichtende Anti-Doping-Kontrollen, die Image-Bombe par excellence. „Ein positives Testergebnis bei einem Star-Fahrer würde sofort auf den Hauptinvestor zurückfallen“, sagt ein Berater, der die PSG-Führung beim Thema Radsport begleitete. Die Reputation des Klubs ist nach Qatar-Stadium-Bau und Fan-Protesten ohnehin brüchig – ein weiterer Imageschaden wäre teurer als ein verlorenes Champions-League-Viertelfinale.

Trotzdem bleibt die Tür einen Spalt offen. Melero schließt nicht aus, dass die Idee 2026 oder 2027 wieder auflebt, wenn der strukturelle Wildwest des Radsports regulatorisch gezäumt wird. UCI-Präsident David Lappartient arbeitet an einer Art „Super-League“-Modell für 2028: Franchise-Teams, garantierte Startrechte, fixe TV-Einnahmen. Sollte diese Reform kommen, wäre das PSG sofort wieder am Tisch – und diesmal mit Vertrag in der Hand.

Für jetzt aber bleibt der Radsport, was er immer war: ein Sport voller Romantik, Wind und Wetter – und eben ohne Chefsessel für Investoren, die Gewissheit lieben. Der Pariser Milliardenklub tritt also weiter auf der Stelle. Die Pedale drehen sich ohne ihn.