Provedel operiert: lazio verliert seinen cup-helden für monate
Ivan Provedel wird fallen. Der Mann, der Lazio im Februar mit zwei Penalty-Paraden gegen Bologna zum Viertelfinale schoss, liegt seit heute früh auf dem OP-Tisch des Concordia Hospital in Rom. Schulter rechts, Bandapparat gerissen, Labrum angerissen – ein klassischer Torwart-Schaden nach einer zu späten Landung nach einer Flugball-Abwehr.

Di giacomo und costantini nähten 90 minuten lang
Die Ärzte Giovanni Di Giacomo und Alberto Costantini entschieden sich für die arthroskopische Stabilisierung. Keine offene Schiene, keine Schrauben, nur drei Mikro-Portale und ein Knoten-Set, das den Gelenkring wieder einfängt. Laut Klubmeldung verlief alles „planmäßig“, was in Italien ein Synonym für „wir haben Glück gehabt“ ist. Der Eingriff dauerte unter anderthalb Stunden, die Narkose war um 9:37 Uhr beendet, um 11:09 Uhr postete Lazio das erste Foto: Provedel mit der rechten Schulter in einem speziellen Kältegurt, das Lächeln trotzdem im Gesicht.
Die Timeline ist gnadenlos. Sechs Wochen Ruhigstellung, dann Aqua-Jogging, danach Ballarbeit vom Hüftgelenk aus. Wenn alles glatt läuft, ist er Ende Mai wieder zwischen den Pfosten – genau dann, wenn Lazio möglicherweise um die Europa-League-Plätze zittert. Eine Rückkehr vor dem Saisonfinale gilt als „optimistisch“, wie Sportdirektor Fabiani im Kurzgespräch einräumte. Vertraglich ist der 30-Jährige ohnehin erst einmal bis 2027 an den Klub gebunden, doch die Hierarchie im Kasten droht zu kippen. Sein Stellvertreter Sepe wartet seit Wochen auf eine echte Chance, und der 19-jährige holprige Talent Marino schielt auf die Nummer eins.
Die wahre Frage lautet: Wer fängt in der Zwischenzeit die Psyche der Mannschaft? Provedel war nicht nur Schlussmann, sondern auch Lautsprecher. In der Kabine trägt er die Playlist, vor dem Spiel die Ansprache. Trainer Tudor muss nun eine neue Stimme finden – oder die Stille ertragen. Die nächsten fünf Serien-A-Partien: Atalanta, Milan, Roma, Napoli, Juve. Ein Programm, das selbst gesunde Keeper in die Knie zwingt.
Lazio hat in dieser Saison bereits 13 Punkte durch individuelle Patzer kassiert. Ohne ihren abwehrenden Anführer könnte die Zahl steigen. Die Fans reagieren mit einem Hashtag: #ForzaPro, der in den ersten zwei Stunden über 40 000 Mal geteilt wurde. Die Botschaft ist klar: Die Kurve wartet, doch die Zeit rennt. Wer in Rom zwischen den Linien steht, braucht mehr als Handschuhe – er braucht Nerven aus Stahl. Und die hat Provedel gerade erst wieder aufbauen müssen.
