John bryant nach achillessehnen-op: „ich komme zurück – auch wenn ich die 100 meter nur noch in 12,1 sekunden schaffe“

John Bryant spricht zum ersten Mal seit seinem Abriss im vergangenen Monat – und was er sagt, klingt wie ein Kriegsschrei. Der 38-Jährige liegt im Wohnzimmer seines Münchner Hauses, rechts der Boot, links die Krücken, dazwischen ein Mann, der sich weigert, sich in Rente schicken zu lassen. „Das ist kein Karriereende, das ist nur eine Zwangspause“, sagt er, und man glaubt ihm sofort.

Die nacht, in der alles zerbarst

Bremerhaven, erster Trainingstag. Bryant geht zum Lay-up, spürt einen Schlag von hinten – doch niemand ist da. Er landet, strauchelt, bleibt stehen. „In dem Moment wusste ich: Das war’s.“ Die Achillessehne nicht ganz durch, aber so verdreht und gerissen, dass nur eine Operation hilft. Drei Wochen später ist er entlassen, 98 Prozent Wiederherstellungschance eingepackt in einen High-Tech-Stiefel, dessen Winkel man in zwei Grad Schritten hochdreht. „Die Ärzte sagen, ich werde wieder laufen. Nur eben nicht mehr ganz so schnell wie einst.“

Er lacht über den Vergleich mit dem 100-Meter-Lauf, aber es ist ein Lachen, das sich anhört wie Schaben über Glas. „Ich war nie der schnellste, aber ich war immer der, der zurückkommt.“

Mentale tiefgarage: „ich kann nicht einfach auf der couch liegen“

Mentale tiefgarage: „ich kann nicht einfach auf der couch liegen“

Bryant hat 16 Profijahre ohne schwere Verletzung überstanden. Jetzt sitzt er, kann den Garten nicht umpflügen, mit den Kindern nicht Basketball spielen. „Das ist härter als jedes Double-Double“, sagt er. Ehemalige Teamkollegen wie Akeem Vargas oder Moritz Heck schicken Sprachnachrichten, seine Frau Isabelle stellt sich zwischen ihn und die Treppe, wenn er wieder mal „nur kurz“ den Müll runterbringen will. „Ich muss lernen, langsamer zu sein. Das ist meine neue Disziplin.“

Mbc-rauswurf: „die geschichte ist noch nicht geklärt“

Mbc-rauswurf: „die geschichte ist noch nicht geklärt“

Der Januar-Eklat in Weißenfels liegt noch warm in der Luft. Bryant wurde nach nur wenigen Wochen rausgeschmissen, offiziell ohne Kommentar. „Wir haben einen Zeitplan mit meinem Anwalt“, sagt er jetzt. „Aber erst muss der Fuß heilen, dann klären wir den Rest.“ Es klingt wie eine Drohung, verpackt in Höflichkeit. Kein Wort über interne Streitigkeiten, aber seine Stimme wird tiefer, als er sagt: „Ich lasse nicht locker.“

Comeback-ziel: vier monate bis ersten wurf, sechs bis spielbetrieb

Die Mediziner nennen ein Fenster: drei bis vier Monate bis leichtes Laufband, fünf bis sechs Monate bis Wurftraining. Bryant plant schon weiter. Er will auf die 3x3-Tour, will im Winter in der ProB mitspielen, will beweisen, dass 38 nur eine Zahl ist. „Ich habe noch nie eine Saison wegen einer Verletzung verpasst. Diese wird die erste nicht werden.“

Und dann sagt er einen Satz, der zwischen den Zeiten steht: „Wenn ich wieder auf dem Court stehe, werde ich nicht mehr der Schnellste sein. Aber vielleicht der Dümmste – weil ich es trotzdem versuche.“

Er grinst, und man merkt: John Bryant war nie nur wegen seiner 2,08 Meter ein Riese.