Cremona spielt 90 minuten perfekt – dann zerstört milan alles in zwei minuten
Zwei Minuten reichten. 88 Sekunden, um eine ganze Arbeitswoche zu pulverisieren. Bis zur 89. Minute hielt Cremonese den AC Milan mit blanken Fingernägeln auf Distanz, dann schlug Pavlovic ein, Sekunden später legte Leão nach. 0:2, nichts zu holen, nichts zu erklären – nur der kalte Wind der Serie A, der durchs Zini-Stadion fegt.
Nicola spricht von „guter leistung“, die tabelle lacht nicht
Trainer Davide Nicola stand nach Abpfiff mit geröteten Wangen vor dem Mikro von DAZN und versuchte, dem Debakel eine Tapferkeitsmedaille umzuhängen: „Positive Leistung, richtige Einstellung.“ Die Worte klangen wie ein Trostpflaster auf offener Wunde. Denn die Cremonese bleibt tief im Sumpf, nur ein Punkt vor dem Relegationsplatz, während Milan mit diesem Dreier zehn Zähler hinter Inter liegt und oben weiterhin im Titelrennen radelt.
Doch die Zahlen belügen nicht. Cremone besitzt die zweitschwächste Offensive der Liga – erst 18 Tore nach 26 Spieltagen. Jamie Vardy, einst Premier-League-Torjäger, wirkt wie ein Boxer ohne Handschuhe: viel Einsatz, wenig Treffer. Seit drei Partien wartet der Klub auf einen eigenen Treffer, und das nächste Feuerwerk an Chancen kommt am Sonntag in Lecce, wo ein direkter Konkurrent wartet.

Das spiel verlangt nach helden – cremonese sucht nach antworten
Was bleibt, ist das Déjà-vu. Schon in Sassuolo, schon gegen Empoli klappte die taktische Disziplin 80 Minuten, dann brach die Konzentration. Milan-Coach Massimiliano Allegri erkannte das Muster und schickte Leão erst in der 82. Minute, um genau diese Lücke zu treffen. Die Taktik ging auf. Cremoneses Mittelfeld rutschte auseinander, die Außenverteidiger standen zu hoch, und einmal mehr fehlte die zweite Linie, die den Nachschub klärt.
Die Uhr tickt. Noch acht Spieltage, und jedes weitere 0:2 schaufelt die Grigiorossi tiefer in die Salve-Zone. Nicola mag von „Richtung“ sprechen, doch die Richtung heißt momentan Abstieg. Die Fans auf der Curva Nord skandierten nach dem Abpfiff „Avanti ragazzi“, doch ihre Stimmen klangen schon wie ein Abschiedslied. Wenn Lecne am Sonntag gewinnt, beträgt der Vorsprung nur noch zwei Punkte. Dann wird nicht mehr geredet, dann wird gebetet.
Cremonese braucht keine Moralpredigt, sondern ein Tor. Am besten schon in der ersten Minute. Sonst feiern andere den Klassenerhalt – und Cremona denkt an die Serie B.
