Schiedsrichter-skandal: inter-funktionär im visier – geht es um mehr als nur rocchi?

Mailand bebt! Die Ermittlungen im italienischen Fußball wegen des Manipulationsvorwurfs gegen Ex-Schiedsrichterchef Rocchi haben eine neue, brisante Phase eingelitet. Gestern stand Giorgio Schenone, der sogenannte „Club Referee Manager“ von Inter Mailand, über drei Stunden im Fokus der Staatsanwaltschaft. Die Frage, die nun brennt: War Schenone lediglich ein unwichtiger Nebenmann, oder spielt er eine Schlüsselrolle in diesem komplexen Netz aus Einflussnahme und möglichen Begünstigungen?

Keine direkten beweise, aber ein netzwerk von kontakten

Die Ermittler hatten Schenone aufgrund von Aussagen von Rocchi und Gervasoni ins Visier genommen, die in abgefangenen Gesprächen seinen Namen fallen ließen. Doch das Ergebnis der Vernehmung: Keine direkten Beweise für eine sonstige brisante Kommunikation. Es gab zwar Kontakte zwischen Schenone und Rocchi, die auf eine langjährige Beziehung zurückreichen – beide waren in der Vergangenheit als Schiedsrichter aktiv – doch die Gespräche scheinen sich auf alltägliche Themen zu beschränken. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit.

Ein zentraler Aspekt der Ermittlungen ist nun die Klärung der Beziehung zwischen Schenone und Pinzani, der ab der Saison 2024/25 für die Beziehungen zwischen dem italienischen Schiedsrichterverband (AIA) und den Vereinen zuständig sein wird. Die Staatsanwaltschaft will herausfinden, wo die Grenze zwischen legitimen Anliegen eines Schiedsrichter-Beauftragten wie Schenone und dem Versuch, die Schiedsrichterentscheidungen zu beeinflussen, verläuft.

Breitere ermittlungen: weitere vereine und funktionäre im fokus

Breitere ermittlungen: weitere vereine und funktionäre im fokus

Und hier kommt der nächste Knall: Die Staatsanwaltschaft plant, den Ermittlungskreis deutlich zu erweitern. In den kommenden Wochen sollen weitere Personen, aus verschiedenen Vereinen und mit unterschiedlichen Funktionen, vernommen werden. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Schiedsrichter-Beauftragte und Funktionäre in den Fokus der Ermittlungen geraten. Die Schlagzeilen deuten auf ein tiefgreifendes Problem im italienischen Fußball hin.

Auch tommasi und zappi im visier

Auch tommasi und zappi im visier

Neben Schenone wurden auch Dino Tommasi, der neue Schiedsrichterchef für Serie A und B, und Antonio Zappi, der ehemalige Präsident der AIA, vernommen. Zappi wurde kürzlich für 13 Monate gesperrt, nachdem ihm Druck auf die Entscheidungsgremien in der Serie C und D nachgewiesen wurde. Den beiden wurden abgehörte Gespräche vorspielt und Dokumente vorgelegt, um das Vorgehen bei der Schiedsrichter-Vergabe und den Betrieb des VAR-Zentrums in Lissone zu beleuchten.

Die Luft wird dünner. Die Staatsanwaltschaft sucht fieberhaft nach Beweisen für eine organisierte Struktur, die darauf abzielte, Schiedsrichterentscheidungen zu manipulieren. Der 2. April in San Siro steht dabei unter besonderer Beobachtung. Was geschah an diesem Tag? Mit wem traf sich Rocchi, und wer waren seine vermeintlichen „Komplizen“?

Die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen, aber eines ist klar: Der italienische Fußball steht vor einer Zerreißprobe. Die Frage ist nicht, ob es zu weiteren Verurteilungen kommen wird, sondern wann und wie viele weitere Namen in den Schmutz gezogen werden.