Andrighetto fällt aus – zsc lions verlieren playoff-turbo vor entscheidendem spiel

Sven Andrighetto liegt mit Eisbeutel im Dunkeln, während seine Kollegen am Freitag um den Halbfinaleinzug kämpfen. Der 33-jährige Flügelstürmer prallte im dritten Viertelfinal-Spiel gegen Lugano mit Rudolfs Balcers zusammen – und brach sich dabei den Rhythmus, mit dem er die Lions in den vergangenen Wochen trug.

Kein wunder, kein einsatz

„Wenn kein Wunder geschieht“, sagt Sportchef Sven Leuenberger knapp, wird Andrighetto auch im vierten Spiel fehlen. Die offizielle Diagnose: Schweigen. Die interne Einschätzung: Tag-zu-Tag. Übersetzt: Das Mediengremium versteckt sich hinter Prognose-Flickenteppich, während die Uhr tickt. Denn am Freitag um 19.45 Uhr steht die Lions vor dem Sweep – und ohne ihren Top-Scorer sieht die Maschine plötzlich rostig aus.

Die Zahlen sind gnadenlos. In den letzten 15 Partien sammelte Andrighetto 24 Punkte, davon allein in den ersten drei Playoff-Begegnungen zwei Tore und vier Assists. Wer diese Werte wegdenkt, erkennt die Lücke: ZSC erzielte in der Serie 13 Tore – fast die Hälfte lief über dessen Schaufel oder Klinge. Ohne ihn wirkt das Powerplay wie ein Offenen-Kamin-Tag in April: viel Rauch, wenig Hitze.

Lugano atmet auf, zürich rüstet um

Lugano atmet auf, zürich rüstet um

HC Lugano reiste mit Rückenwind in die Schweizer Metropel, nachdem die Leuenberger-Truppe das dritte Spiel 4:2 gewann. Nun wissen die Tessiner: Fällt Andrighetto aus, fällt mit ihm die letzte Puste aus dem ZSC-Turbo. Trainer Rikard Grönborg muss umdisponieren. Option A: Christian Djoos auf die erste Reihe neben Balcers und Denis Malgin. Option B: den jungen Winger Fabian Berri hochziehen und auf Tempo setzen. Beide Varianten haben einen Makel – keiner bringt die Killer-Intuition des Verletzten mit.

In der Kabine hängt Schweigen. Spieler geben Statements nur off the record, keiner will über die Verletzung reden, alle reden um sie herum. Die Stimmung erinnert an eine Klassenfahrt, bei der der Klassenclown fehlt: Lautstarke Siege, aber die Seele fehlt. „Wir müssen kollektiv aufrücken“, sagt Verteidiger Michael Fora, doch seine Stimme klingt, als wüsste er, dass kollektiv allein nicht reicht, wenn das individuelle Glanzlicht fehlt.

Die uhr tickt gegen die lions

Die uhr tickt gegen die lions

Die Playoff-Geschichte lehrt: Teams, die einen Top-Scorer verlieren, verlieren meist auch die Serie. Seit 2010 fielen in der National-League 17 Mal die besten Scorer vor oder während der Playoffs aus – nur drei Mal überstanden ihre Klubs die Runde. Die Lions wollen die Ausnahme werden, doch die Wahrscheinlichkeit spricht gegen sie. Und die Wahrscheinlichkeit hat in der Postseason oft recht.

Am Freitag stehen sich zwei Wahrheiten gegenüber: Lugano kämpft ums Überleben, Zürich um die Perfektion. Ohne Andrighetto droht aus dem Sweep ein Sechsspiel-Märchen zu werden. Die Lions-Fans haben schon Jetons auf eine schnelle Serie gesetzt – nun schielt die Halbfinale-Ticket-Börse nervös. Denn wenn das Team an der Sihl stolpert, fällt es vielleicht nicht nur den Tessinern in die Arme, sondern auch der eigenen Erwartungshaltung zum Opfer.

Und Andrighetto? Er sitzt in der Kabine, schaut auf das Eis, das ihn ausschloss, und weiß: Manchmal reicht ein Schritt zu spät, ein Körper zu schnell – und schon beendet eine Kollision nicht nur ein Spiel, sondern eine Träumerei. Die Lions können den Sweep schaffen, doch die Frage bleibt: Wer fegt danach die Trümmer weg, wenn der Turbo fehlt?