Pogacar tritt merckx mit sanremo-symphonie ins gebet – vier sätze, null gnade

80 Jahre alt, 525 Siege auf dem Buckel, und jetzt dies: Eddy Merckx schwieg, bis die italienische Reporterin das Mikro senkte. „Sprachlos“, presste er heraus. „Tadej Pogacar hat Mailand-Sanremo zur Oper erklärt. Vier Akte, jede ein Offenbarungseid.“

Der Slowene riss das Klassiker-Monument nicht einfach an sich – er dekonstruierte es. Sturz vor der Cipressa, Attacke auf dem Poggio, Abfahrtsslalom gegen Pidcocks MTB-Genen, Sprint mit halber Radlänge Vorsprung. Die Chronisten suchen noch nach dem richtigen Superlativ; Merckx liefert ihn: „Kopf, Kraft, Überzeugung – fertig ist die Galerie seiner Unsterblichkeit.“

Warum merckx paris-roubaix schon jetzt abschreibt

„Letztes Jahr stürzte er auf Kopfsteinpflaster, sonst wäre er im Velodrom mit van der Poel um die Krone geritten“, sagt der Belgier und klingt, als hätte er das Manuskript schon gelesen. Pogacar fehlt nur noch Roubaix, um alle fünf Monuments zu vereinen. Merckx’ Prognose klingt wie ein Schiedsspruch: „Auf jeden Fall wird er sie holen. Mittlerweile ist klar: Er frisst Grenzen zum Frühstück.“

Die Zahl, die da zurückbleibt: 6,2 Sekunden Vorsprung nach 293 km. Auf dem Poggio katapultierte Pogacar sich mit 49,8 km/h aus van der Poels Windschatten. „Ich dachte, Mathieu würde das Rad noch ziehen“, sagt Merckx, „aber da war schon nur noch Staub.“

Was der abend in italien über den gentleman verrät

Was der abend in italien über den gentleman verrät

Merckx traf Pogacar zum Nachtessen in Sanremo. „Er lässt den Kellner zuerst bedienen, unterschreibt jeden Autogrammwunsch mit beiden Namen – Vorbild und Verehrung in einem.“ Der Altmeister lacht, dann wird seine Stimme leise: „Ich war 27, als ich mein viertes Monument gewann. Er ist 27 und hat alle außer Roubaix. Die Uhr tickt anders, wenn er in die Pedale tritt.“

Der Tick, der da schlägt, nennt sich Zukunft. In Flandern wird er die Hellingen zerfetzen, in Roubaix die Pavés. Und Merckx? Der schaut auf das Foto, das ihn mit Pogacar zeigt, und murmelt: „Ich dachte, ich hätte alles gesehen. Dann kam dieser Slowene und schrieb ein fünftes Kapitel in mein Lehrbuch.“

6,2 Sekunden, ein halbes Rad, ein ganzes Jahrhundert – fertig ist die Legende.