Tracy austin: das tenniswunder, das mit 19 schon geschichte war
Mit 14 gewann sie ihr erstes Turnier, mit 16 die US Open, mit 17 war sie Weltnummer eins – und mit 19 war alles vorbei. Tracy Austin, das erste Teenie-Genie des Tennis, beendete vor 46 Jahren die damals noch Frühjahrs-ausgetragenen WTA Finals mit dem Titel. Ein Triumph, der heute wie ein Abschied wirkt.
Der aufstieg war ein blitz, der fall ein sturz
Die Kalifornierin mit den Zöpfen und der Zahnspange spielte sich in Rekordzeit ins Zentrum der Tenniswelt. Ihre Rückhand war ein Sezierbesteck, ihre Ruhe ein Phänomen. Chris Evert, damals die Queen des Courts, musste sich 1979 im Finale von Flushing Meadows geschlagen geben. Austin war 16 Jahre und neun Monate alt – jüngster Grand-Slam-Sieger aller Zeiten.
Doch der Körper konnte nicht folgen. Chronische Rücken- und Ischiasbeschwerden nagten an ihr. Ab 1983 reichte es nur noch für Viertelfinals, 1984 zog sie sich zurück – 22 Jahre jung, 27 Titel reich, Karriere vorbei. Ein Autounfall 1989, fast tödlich, setzte dem finalen Punkt.

Die fehleinschätzung, die steffi graf berühmte machte
1982 trat Austin in Filderstadt gegen eine 13-jährige Deutsche an: Steffi Graf. 6:4, 6:0 ging die Partie an die US-Amerikanerin, die später versicherte, „Hunderte“ wie Graf gäbe es in den Staaten. Es wurde das am meisten zitierte Missverständnis ihrer Laufbahn. 1990 revanchierte sich Graf in Indian Wells mit einem Doppel-6:0 – und einem Lächeln, das alles sagte.
Austin lachte später mit. „Steffi hat es mir längst verziehen“, sagte sie 2017. Sie selbst war längst Expertin bei NBC, Stimme der US-Übertragungen, Gesicht im Fernsehen, wenn Wimbledon oder die US Open liefen. David Foster Wallace widmete ihr ein Essay: „How Tracy Austin Broke My Heart“ – eine Liebeserklärung und ein Seziermesser zugleich, weil ihre Autobiografie so glatt war wie ihre Vorhand.
Heute ist Austin 63, Mutter von drei Kindern. Sohn Brandon Holt, ATP-Nummer 230, schlägt weiter Bälle. Die Trophäen stehen im Regal, die Knie ebenfalls. Aber die Zahlen bleiben: jüngste US-Open-Siegerin aller Zeiten, jüngste Hall-of-Fame-Mitglied aller Zeiten – und das erste Wunder in einer Reihe von Teenager-Meteoren, die dem Sport seine wilde Seele gaben.
