Zweite liga: drei punkte trennen himmel und hölle – nie war der abstieg so nah

Nach 27 Spieltagen blinkt in der 2. Bundesliga die Rote Laterne für fast die Hälfte der Liga. Zwischen Schlusslicht Preußen Münster und dem vermeintlich sicheren Dresden auf Platz 12 liegen lächerliche drei Zähler – so eng war das Unterhaus noch nie.

Münsters paradoxe lage: letzter mit rekordpunkten

Die Adler sammelten 26 Punkte, obwohl sie am Tabellenende kleben. Nur einmal, 1995/96, hatte Mainz 05 als Letzter nach 27 Spielen mehr auf dem Konto (27). Die Folge damals: Mainz schlüpfte auf Rang 11. Für Münster ein Hoffnungsschimmer, denn die Formkurve zeigt nach oben: vier Unentschieden in den letzten fünf Partien, dazu der erste Sieg seit Februar. Trainer Jens Härtel betont trotzdem: „Wir brauchen Siege, nicht Moral.“

Doch die Gegner kommen gnadenlos. Gleich am Samstag gastiert Holstein Kiel, selbst noch in Gefahr, in Münster. Ein Sieg würde die Ostwestfalen auf 29 Punkte katapultieren – und plötzlich wäre Dresden wieder dran.

Dresden stellt negativrekord auf – und ist trotzdem nicht sicher

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Die Sachsen haben 29 Punkte, obwohl sie Zwölfter sind. In keiner Saison zuvor lag ein Zwölfter nach 27 Spielen schlechter. Der alte Negativrekord waren 30 Punkte – doch selbst diese Marke reichte damals nur für Platz 15 bis 9. Dynamo-Coach Heiko Scholz schimpft: „Wir reden seit Wochen vom Klassenerhalt, aber die Tabelle lügt nicht. Jeder Punkt ist Gold.“

Die Lage verselbstständigt sich. Braunschweig (13., 28 Punkte), Fürth (14., 27), Bielefeld (15., 26), Kiel (16., 25) und Magdeburg (17., 24) sind in einem Punkt-Hasenrennen vereint. Ein einziger Spieltag kann sieben Plätze versetzen.

Die letzten sieben spiele werden zur glücks- oder desasterreise

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Statistiker fanden: In der Saison 2004/05 betrug der Abstand zwischen Platz 18 und 12 nach 27 Spielen noch fünf Punkte – heute sind es zwei weniger. Die Folge: Selbst das Restprogramm bietet keine Ruhe. Dresden muss nach Münster, Braunschweig und Magdeburg. Münster reist nach Kiel und Fürth. Keiner kann rechnen, alle müssen attackieren.

Die TV-Gelder springen pro Platz rund 400.000 Euro – Geld, das Vereine in Liga zwei dringend brauchen. Wer abstiegt, verliert nicht nur die Ligazugehörigkeit, sondern rund zehn Millionen Euro Medialeinnahmen. Deshalb fließen seit Wochen nicht mehr nur Punkte, sondern Existenz durch die 90 Minuten.

Am 34. Spieltag könnte selbst ein torloses Unentschieden reichen, um die Hölle zu verlassen – oder die Hölle zu betreten. Die Fans buchen schon ihre Zugtickets für die finale Auswärtsfahrt, weil niemand weiß, ob es danach noch Zweitliga-Derby gibt. Die Devise lautet: Sieg oder Saisonende – mehr Spielraum bleibt nicht.