Hennes behrens trifft, ahnt nichts – und wird zum heidenheimer held

3:3 gegen Leverkusen, Tabellenletzter kratzt am großen Bayern-Jäger – und ein 21-Jähriger erfährt im TV, dass er gerade Geschichte geschrieben hat. Hennes Behrens’ erstes Bundesliga-Tor landet direkt in der Sammlung kuriose Fußball-Momente.

Behrens’ treffer: rempler, nicht raffinesse

Der Linksverteidiger war eigentlich nur zur Stelle, um eine Flanke zu klären. Stattdessen prallte der Ball vom Unterarm, streifte die Hacke von Leverkusens Tapsoba und senkte sich zur Überraschung aller hinter Hradecky ins Netz. „Ich hab nur geschaut, dass der Ball weg ist. Dass er dann drin war und mir zugeschrieben wird – keine Ahnung, wie das lief“, sagt Behrens und lacht, als hätte ihm jemand einen Gutschein für ein Spielzeugauto in den Rucksack gesteckt.

Die Voith-Arena tobte. Frank Schmidt, sonst ein Mann der klaren Anweisungen, verlor kurz die Contenance, riss sich die Mütze vom Kopf und schrie etwas, das selbst die Kameras nicht verstanden. „Charakterstark, immer Gas“, nannte er den Leihspieler danach. Gemeint: Ein Typ, der sich nicht fragt, ob er die Bundesliga verdient, sondern einfach läuft, bis der Gegner glaubt, er sei ein Versehen des Systems.

Von anderlecht bis heidenheim: die woche, die alles änderte

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Vor zwölf Monaten saß Behrens noch in der Hoffenheimer U 21, blickte auf Instagram-Posts von Frimpong und Wirtz. Eine Woche später stand er selbst im Europa-League-Kader gegen Anderlecht, dann gegen Leverkusen – und jetzt trifft er genau diesen Gegner. „Von außen sieht das wie ein Karriere-Skipper aus, für mich ist es einfach nur viel Training und ein bisschen Glück“, sagt er. Dass Glück im Fußball oft nichts anderes ist als die Summe aus Kilometern und Entschlossenheit, beweist seine Laufleistung: 11,8 km im Spiel, 32 Sprints, meiste Zweikämpfe seines Teams gewonnen.

Den Frimpong-Trikottausch verpasste er damals, weil er sich nicht traute. Tom Bartels reichte ihm nach der Partie ein frisches Liverpool-Shirt des Niederländers. „Ehrenplatz“, sagt Behrens, „vielleicht häng ich’s neben das erste Tor-Bild. Mama freut sich bestimmt, dass mal was anderes als meine Laufschuhe im Regal steht.“

Abstiegskampf? er sieht nur 90 minuten

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Neun Punkte Rückstand auf Platz 16, acht Spiele Saison. Statistiker geben Heidenheim drei Prozent Chance auf den Klassenerhalt. Behrens weiß die Zahel, ignoriert sie. „Wenn wir gegen Leverkusen drei kriegen, warum dann nicht auch gegen Freiburg oder Wolfsburg?“ Schmidt belässt es dabei, seinen Linksverteidiger nicht zu bremsen. „Er rennt sich frei, dann schauen wir weiter.“

Mutter Alexandra, frisch gekürte Deutsche Halbmarathon-Meisterin, lacht über WhatsApp: „Läufer-Gen kommt von mir, Torgefahr hat er sich selbst erarbeitet.“ Ihr Sohn antwortet mit einem Bild: Fußballschuhe, Frimpong-Trikot, alles bereit für die nächste 90-Minuten-Welt, in der ein Rempler zum Tor wird und ein Remis wie der Durchbruch klingt.