Widmer schlägt zurück: mainz 05 und der kapitän, der nie aufgab
Silvan Widmer stand kurz vor dem Abstellgleis, jetzt lenkt er den TSV Mainz 05 Richtung Europa. Sein Vertrag läuft aus, doch der 33-Jährige spielt sich gerade mit Macht in die Zukunft hinein.
Die bank war gestern, heute steht er im zentrum
Unter Bo Henriksen noch Pendler zwischen Anfang und Auswechselbank – seit dem Amtsantritt von Urs Fischer ist Widmer unumstrittene Nummer eins. Rechtsverteidiger? Eher Rechtsverteidiger plus Spielgestalter plus Seelenführer. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In der „Fischer-Tabelle“ seit Spieltag 14 rangiert Mainz auf Platz fünf, nur Bayern, Leverkusen, Dortmund und Leipzig waren besser. Drei Siege nacheinander – Bremen, Olomouc, Frankfurt – haben die Nullnummer-Depression des Herbstes abgelöst.
Der Kapitän selbst redet das Erfolgsrezept klein: „Jeder weiß, was zu tun ist.“ Klingt simpel, ist es aber nicht. Denn hinter dem Satz steckt eine Mannschaft, die endlich wieder raumeilt statt rumdümpelt. Gegen Frankfurt hatte Eintracht 68 Prozent Ballbesitz – und keine Durchstoßchance. Widmer: „Unser Matchplan ist sehr gut aufgegangen.“ Für ihn persönlich war es mehr als drei Punkte, es war die Bestätigung, dass er nach zwei Jahren mit Muskelbündelriss und Orientierungslosigkeit wieder voll da ist.

Vertragschaos und altersdebatte
Sommer 2025 – dann läuft Widmers Arbeitsvertrag aus. Mainz will verlängern, muss aber Kalkül statt Nostalgie walten lassen. 28,11 Jahre Durchschnittsalter, das ist Liga-Spitze und sportlicher Spagat: Erfahrung versus Frische. Lee und Mwene bekamen neue Kontrakte, sie sind ebenfalls über 30. Die sportliche Leitung schwankt zwischen Dankbarkeit und Zukunftsangst. Widmer selbst schweigt zu Zahlen, redet lieber über „Spaß mit den Jungs“. Doch der Spaß hat ein Verfallsdatum, wenn kein Papier unterschrieben wird.
Die nächsten Wochen werden entscheidend. Nach Länderspielpausen gegen Deutschland und Norwegen geht’s für Mainz nach Hoffenheim – und dann nach Straßburg im Viertelfinale der Conference League. Widmer weiß: Jeder weitere Auftritt ist eine Visitenkarte für den Klub, aber auch für sich selbst. Seine Berater sitzen bereits mit Sportvorstand Heidel am Tisch. Geht es um ein Jahr? Zwei? Oder um ein Auslaufmodell mit Optionen? Intern heißt es, Widmer wolle bleiben, wenn die sportliche Perspektive stimmt. Die stimmt gerade – mit ihm an Bord.
Mainz ohne Widmer? Undenkbar in diesen Tagen. Aber die Geschichte lehrt: Ein Kapitän ist nur so stark wie sein letzter Matchplan. Und der nächste beginnt am 9. April im Elsass. Dort wird sich zeigen, ob die Europa-Mission nur ein Zwischenhoch ist – oder der Startschuss in eine weitere gemeinsame Ära.
