30 Jahre rapid-finale: heraf packt aus über schmutz, schmerz und die eine kopfballchance

Am 8. Mai 1996 stand Rapid Wien im Europapokal der Pokalsieger-Finale gegen Paris Saint-Germain. Drei Jahrzehnte später knackt Andy Heraf die Schatztruhe der Erinnerungen – und liefert Geschichten, die selbst Kennern die Haare zu Berge stehen lassen.

Metallstollen statt gumminoppen: wie laurent fournier die schneid abkaufte

„Extrem schmutzig“, lautet Herafs Urteil über PSG-Linksverteidiger Laurent Fournier. Der Franzose riss den damals 28-jährigen Rapid-Außenbahnspieler an den Haaren, trat ihn, zerstörte jede Rhythmik. „Damit hat er mir die Schneid abgekauft“, sagt Heraf heute. Und das war nur der Auftakt.

Bei einer Ecke kam Patrice Loko angerauscht, stieg Heraf mit vollem Körpergewicht auf den Rist – und grinste dabei mit strahlend weißen Zähnen. „Höllisch weh“, erinnert sich der heutige SCR Altach-Coach. „Die heutige Generation mit Gumminoppen kann sich das gar nicht mehr vorstellen.“

Die videoanalyse, die dynamo moskau auslöschte

Die videoanalyse, die dynamo moskau auslöschte

Was kaum jemand weiß: Heraf war damals schon halb Trainer. Vor dem Viertelfinale gegen Dynamo Moskau organisierte er sich eine Videokassette, kritzelte kyrillische Spielernamen ab, ließ sie von Sergej Mandreko transkribieren und schnitt eine Analyse zusammen. Ergebnis: 1:0 und 3:0 gegen die Russen – der Lauf Richtung Brüssel nahm Fahrt auf.

„Wir hatten fünf Zehner in der Mannschaft“, lacht er über die Umstellung auf Sechser, die ihn ins Nationalteam katapultierte. Ernst Dokupil wusste: Zu viel Kreativität tötet. Herafs neue Rolle machte den Unterschied.

Der verschossene kopfball und die hymnen-zeile, die bleibt

Der verschossene kopfball und die hymnen-zeile, die bleibt

Beim 0:1 hielt Heraf in der 75. Minute die Kopfballchance, die ihn bis heute verfolgt. „Wäre die reingegangen, hätten wir vielleicht Geschichte geschrieben.“ Sekunden später hätte Trifon Ivanov fast doch noch den Ausgleich erzielt – Heraf köpfte ihm vor. „Trifon war ein cooler Typ, kam drei Tage in Folge zu spät zum Training. So einen Einstand habe ich nie wieder erlebt.“

Am 9. Mai wird Rapid die Finalisten von 1996 ins Allianz Stadion einladen. Herafs Zeile in der Hymne klingt dann wieder durch den Ring: „Wer's net versteht, der tuat ma laad!“ Die haben die Spieler selbst mit dem damaligen Masseur Wolfi Frey gedichtet. „Ich finde sie immer noch überragend.“

Grünes Blut? „Meine Frau lacht, aber es fließt noch immer.“ 300 Kilometer westlich in Bregenz arbeitet er an seinem Buch – und daran, dass die nächste Rapid-Generation irgendwann wieder ein Finale spielt. Diesmal mit Happy End.