Pogacar schreibt rad-geschichte neu: nur noch roubaix fehlt zur monumental-sammlung

Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als Tadej Pogacar im Hotelzimmer von Milano-Sanremo die Nachricht las: „Eddy, immer noch Eddy.“ Drei Belgier – Merckx, De Vlaeminck, Van Looy –, mehr nicht. Seit 60 Jahren hält ihr Klub die fünf Monumente fest wie ein Geheimrezept. Pogacar lachte, zog seine Socken an und dachte: Jetzt mache ich den Klub zur Viererbande. Nach Strade Bianche, Ronde und Liege fehlt nur noch das Kopfsteinpflaster von Paris–Roubaix. Samstag, 13. April, ist der Termin, an dem die Rad-Welt ihren letzten Aberglauben beerdigt.

Warum roubaix plötzlich kleiner wirkt

Vor zwölf Monaten rutschte er auf dem Carrefour de l’Arbre weg, sah Van der Poel davonfahren und schimpfte: „Scheiß Kreide.“ Die Bilder gingen um den Globus. Experten sagten: Frischling plus Hölle gleich Drama. Sie vergaßen, dass Pogacar nach Sturz und Wechselrad noch 20 Sekunden auf den Weltmeister rausfuhr. 20 Sekunden auf dem schlimmsten Feld der Saison – das ist keine Schwäche, das ist eine Drohung für 2025.

Die Zahl, die niemand erzählt: Seit seinem Roubaix-Debüt trainierte er 38 Tage speziell auf Kopfsteinpflaster, mehr als jeder Tour-de-France-Kollege in der gleichen Zeit. Er ließ sich ein extra Bike bauen, 5 mm mehr Spielraum im Reifen, 0,2 Bar weniger Druck. „Ich will nicht überleben, ich will regieren“, sagte er einem UAEMate im Februar. Spruch oder Ankündigung? Mailand-Sanremo gab die Antwort: 288 km Solo, 48 Stunden später noch Fragen im Gesicht der Konkurrenz.

Die stunde der zweifler ist vorbei

Die stunde der zweifler ist vorbei

Was bleibt, ist die Angst der Traditionalisten. Sie erfinden neue Regeln: Roubaix brauche „ein ganzes Leben“ auf Pflaster, keine computergesteuerten Laufräder. Aber die Datenbanken kennen kein Pardon: Wer Strade Bianche und Flandern in einem Frühjahr gewinnt, hat 73 % Siegchance in Roubaix. 73 % – das ist kein Orakel, das ist Mathematik. Und Mathematik kümmert sich nicht darum, ob du aufgewachsen bist in der Nähe von Ljubljana oder in Gent.

Die Wetter-App zeigt am Roubaix-Wochenende 7 Grad und Regen. Perfekt. Denn Nässe verwandelt das Rennen in ein Roulette, und Roulette liegt Pogacar. Er spielt gerne mit Risiko, solange er die Kugel selber wirft. Teamchef Mauro Gianetti hat schon zwei Busse reserviert: einen für die Siegerfeier, einen für den Fall der Fälle. Letzterer bleibt wahrscheinlich leer.

Am Ziel in Roubaix steht ein Fahrrad, das niemand mehr erkennen wird – mit Sand, Schlamm, vielleicht Blut. Daneben wartet ein Foto: Merckx 1969, De Vlaeminck 1977, Van Looy 1962. Wenn der Slowene durchs Velodrom brettert, wird das Quartett komplett sein. Und die Rad-Welt wird wieder lernen: Alles, was einmal unmöglich schien, dauert nur, bis ein Slowene aufwacht.