Tigges-doppelpack katapultiert paderborn auf platz zwei – trainer kettemann verrät, warum er jetzt sieben tage urlaub genehmigt

Steffen Tigges springt in der 46. Minute ein, trifft doppelt und der SC Paderborn schießt sich – zumindest für 24 Stunden – auf Rang zwei der 2. Bundesliga. Doch die eigentliche Sensation kommt danach: Trainer Ralf Kettemann verschickt die komplette Mannschaft in die Sonne Spaniens, statt sie auf dem Trainingsrasen zu quälen.

Warum kettemann seine spieler sieben tage freigibt

„Die Jungs wollten lieber durchtrainieren und zwei Testspiele machen“, lacht der 39-Jährige, „aber wir Trainer haben uns durchgesetzt.“ Die Logik dahinter ist nackte Zahlen-Arithmetik: Nach 27 Spieltagen hat Paderborn 49 Punkte, drei weniger als Spitzenreiter Darmstadt, aber auch nur drei mehr als Schalke auf Rang fünf. Mit noch sieben Partien – darunter direkte Duelle gegen Hannover, Schalke und Darmstadt – liegt die Qualifikation für die Bundesliga „in eigener Hand“, wie Tigges betont. Kettemann: „Wenn wir jetzt nicht die Frische tanken, knallt es in der Schlussphase.“

Der 2:1-Erfolg gegen Dynamo Dresden war dabei kein Blumenstrauß. Die Gäste aus Sachsen standen tief, ließen kaum Lücken und gingen sogar durch Paul Will in Front. Die Paderborner wirkten ideenlos, bis Tigges in der Kabine die Hausschuhe gegen Stollentauschte. „Er verändert das Spiel mit seiner Kopfballstärke“, sagt Kettemann, „das ist eine Komponente, die wir sonst nicht haben.“ Innerhalb von 13 Minuten köpfte der 1,93-Meter-Mann zweimal ein, alle seine sechs Saisontore resultieren aus drei Doppelpacks. „Chapeau vor Tiggi“, so der Coach, „das Mindset stimmt.“

Die versteckte schwäche, die hannover & co. jetzt studieren

Die versteckte schwäche, die hannover & co. jetzt studieren

Was Kettemann in der Liga derzeit als „Manko“ bezeichnet, ist die erste Halbzeit seiner Mannschaft. Gegen Dresden brauchte Paderborn 35 Minuten, um die erste nennenswerte Chance herauszuspielen. Die Ballzirkulation stockte, die Räume waren zu klein, die Tempoverschiebung fehlte. Statista liefert das passende Bild: Die Westfalen erzielen 60 Prozent ihrer Tore nach der Pause, nur Karlsruhe hat eine schlechtere Vorlagenquote vor der Kabinenansage. Kettemann: „Wenn wir so starten gegen Hannover, werden wir verlieren.“

Die Länderspielpause bietet Zeit, um genau diese Fehlstart-Anfälligkeit zu analysieren. Kettemann und Co. haben drei Tage Video-Analyse geplant, danach folgt Erholung. Tigges fliegt nach Spanien, will „den Körper an die Sonne gewöhnen“ und gleichzeitig die Muskeln lockern. Die sportliche Leitung hofft, dass die Sonnenstrahlen die Kreativität anregen – schließlich winken in den letzten sieben Spieltagen neun Punkte Vorsprung auf Platz vier, aber auch nur neun Punkte Rückstand auf Platz eins.

Die Botschaft ist klar: Paderborn trägt sich mit dem Aufstieg, nicht mit der Rettung. Und wenn Kettemann nach der Pause wieder an der Seitenlinie steht, will er nicht mehr über „mangelnde Einstellung“ sprechen müssen, sondern über den nächsten Joker-Treffer. Die Saison ist offen – und der SC Paderborn hat sich gerade selbst die größte Pause der Zweiten Liga gegönnt. Ob das ein Masterstreich oder ein Bumerang wird, entscheidet sich am 34. Spieltag in Darmstadt. Dort will Tigges dann hoffentlich nicht nur die Sonne im Nacken, sondern auch den Bundesliga-Aufstieg in der Tasche haben.