Patrese schlägt alarm: antonelli kann 2026 weltmeister werden – und russell alt aussehen lassen
Riccardo Patrese lacht, als er das sagt, aber es klingt nicht wie ein Witz: Kimi Antonelli kann 2026 Weltmeister werden. Und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern in dieser Saison. Der ehemalige Williams-Pilot, sechs Grand-Prix-Sieger und bis gestern zweit erfolgreichster Italiener der Formel-1-Geschichte, hat den 19-Jährigen aus dem Kartsaal von Parma bis zur Königsklasse begleitet. Jetzt sagt er: „Wenn er Russell schlägt, ist er ein Ausnahmetalent wie Verstappen, Hamilton, Schumacher.“
Patrese kennt antonelli seit dem bambino-kart – und sieht kein limit
„Ich habe Kimi beim Zelt von Dino Chiesa neben meinem Sohn Lorenzo gesehen, beide mit 120 ccm zwischen den Knien“, erzählt Patrese im Gespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. „Man hat damals schon gemerkt: Der Junge schaut nicht nur, er analysiert. Er hat jeden Kurvenradius gemessen, jeden Bremspunkt aufgesogen.“ Die Mercedes-Entscheidung, Antonelli nach einem einzigen FP1-Einsatz 2025 direkt ins Auto zu setzen, sei damit keine Wette gewesen, sondern eine logische Konsequenz. „Toto Wolff hat den Jungen aus der Box holen wollen, bevor ihn Ferrari klaut. Jetzt zeigt sich: Er hatte recht.“
Die Zahler sprechen eine deutliche Sprache: In Jeddah fuhr Antonelli mit 1:30,6 min die schnellste Rennrunde, blieb 52 Runden auf Soft-Reifen ohne Fehler und kontrollierte Russell im Zweikampf. „George wird abends schwer einschlafen“, glaubt Patrese. „Er wusste, Kimi ist schnell, aber nicht, dass er schon so reif ist. Ein Sieg gegen ihn wäre das Ticket in die Geschichtsbücher.“

Mercedes-dominanz macht titelkampagne zum duell im duell
Die Silberpfeile liefern sich 2026 kein technisches Pingpong mehr mit Red Bull oder McLaren. Die neue Floor-Regel und der 30 kg leichtere Tank reichen aus, um 0,4 Sekunden Vorsprung pro Runde zu generieren. „Wenn die beiden nicht gegeneinander fahren, gewinnt wer? Keiner. Die Ingenieure“, sagt Patrese schmunzelnd. „Aber weil das Auto so dominant ist, entscheidet eben das Teamduell den Titel. Und Kimi kann es sich leisten, Russell Provokationen auszusetzen.“
Beispiel: In Melbourne ließ Antonelli nach dem ersten Stint zehn Zehntel Reserve, um im letzten Sektor dann doch anzugreifen. „Er spielt mit George wie der Kater mit der Maus. Das ist keine Arroganz, das ist Kopfarbeit. Ein Champion eben.“
Der feind sitzt nicht nur im anderen auto – sondern auch im eigenen boxenständer
Patrese kennt das Kalkül. 1987 musste er sich bei Williams mit Nelson Piquet duellieren, 1992 mit Nigel Mansell. „Der Unterschied: Bei uns war das Team britisch, der Star auch. Kimi ist Italiener, fährt für eine deutsche Marke mit britischer Crew und hat einen englischen Teamkollegen. Das ist ein geopolitisches Minenfeld.“ Doch genau das sieht der 71-Jährige als Vorteil: „Toto hat zwei Pferde im Rennen. Wenn Russell gewinnt, bestätigt sich seine Langzeitplanung. Wenn Kimi gewinnt, war der Coup von Wolff genial. Egal wie’s ausgeht, der Teamchef steht als Stratege da.“
Einzig die Frage nach der Hierarchie bleibt offen. „Sie werden intern sagen: ‚Keine Teamorders vor dem Sommer‘. Aber wenn es in Silverstone eng wird, spielt die Nationalhymne plötzlich eine Rolle. Kimi muss bereit sein, sich durchzuboxen – literweise.“

Formel 1 2026: ein piloten-titel oder ein ingenieur-pokal?
Patrese schüttelt den Kopf, als die Rede auf die neuen Regeln kommt. „Früher war der Pilot der Architekt des Siegs. Heute ist er ein Datenmanager. Wer den ‚Fuel save‘-Knopf drei Runden früher drückt, gewinnt nicht, weil er mutiger war, sondern weil der Algorithmus es so will.“ Genau deshalb sei Antonellis Sieg in Jeddah ein Signal: „Er hat trotz Boxenbefehl ‚Lift and coast‘ viermal angegriffen. Das ist old-school. Das ist der Geist von Ascari und Nuvolari, den wir zurückholen müssen.“
Ob es 2026 für den Titel reicht? „Wenn er bis Imola drei Siege holt, braucht Russell einen Psychologen, nicht einen Race-Engineer. Dann kann Kimi auch in Monaco im Regen gewinnen – und dort beginnt in Italien traditionell der Sommer der Liebe. Vielleicht der Sommer eines neuen Nationalhelden.“
Die Bilanz nach 257 Grand-Prix-Starts von Patrese: 6 Siege, 37 Podeste, 0 Weltmeistertitel. Antonelli kann nach fünf Rennen schon mehr haben. „Ich drücke ihm die Daumen – und meine Rekorde ruhig zu.“
