Paris stopft die uhr mit 36 jahren: kvitfjell-abfahrtssieg nach 14 monaten durststrecke

Domink Paris hat die Saison nicht gerettet, er hat sie einfach umgeschrieben. Mit 1:45,37 Minuten donnerte der Südtiroler in Kvitfjell über das Eis, stach Franjo von Allmen um 19 Hundertstel aus und schleuderte die Skiwelt zwei Jahre zurück – zu seinem letzten Triumph vor exakt zwölf Monaten am selben Hang.

Der altmeister lehrt die next-gen das fürchten

Der altmeister lehrt die next-gen das fürchten

Die Zahl, die alle Sprachnachrichten in den italienischen Medien überlagert: 36 Jahre, 7 Monate, 11 Tage. So alt ist Paris, als er zum 23. Karriersieg aufschlägt und zum ersten Mal seit dem 8. März 2025 wieder ganz oben steht. Vorbei die Rangeleien mit Rang zwei in Crans-Montana, vorbei das Gemurre über zu softe Ski und zu harte Konkurrenz. Vincent Kriechmayr wurde Dritter, Marco Odermatt siebter – genug, um die kleine Kristallkugel behalten zu dürfen, nicht genug, um die eigene Legende zu brennen.

Die Uhr tickt anders, wenn Paris die Latte zieht. Er wartete 427 Tage auf diesen Moment, fuhr dafür aber nur 25 Rennen, weil Knie, Rücken und die Pandemie ihm zwischen 2024 und 2025 mehr Saisonabbrüche als Podeste bescherten. Nun jagt er im Super-G von Sonntag das Double – schon wieder in Kvitfjell, schon wieder mit dem Ziel, die eigene Bestmarke zu übertreffen.

Deutsche Farben? Fehlanzeige. Kein DSV-Adler schaffte es unter die Top-25 der Abfahrtswertung, ein Novum seit 2012. Während Linus Straßer und Co. auf Twitter Selbstkritik üben, feiert von Allmen Rang zwei im Weltcup – die beste Schweizer Abfahrtsbilanz seit Didier Cuche.

Paris selbst will von Ruhm nichts wissen. «Ich fahre, bis die Beine brennen, dann hör ich auf», sagte er nach dem Rennen. Die Beine brannten offenbar lange genug, um die Uhr eine Sekunde lang stillstehen zu lassen. Und um jedem zu zeigen, dass man mit 36 noch lange kein Museum ist – sondern einfach nur ein Sieger, der die Zeit kurz mal anhält.