Paolini schwitzt, siegt und flüstert: indian wells, ich bin noch da

Jasmine Paolini hat sich in der Wüste von Kalifornien nicht von der Sonne, sondern von sich selbst gerissen. 7:5, 5:7, 6:1 gegen Ajla Tomljanovic – kein Score, der in die Geschichtsbücher fliegt, aber ein Ergebnis, das dem italienischen Feuerfuchs nach zuletzt zittrigen Wochen wieder Selbstvertrauen einbrennt.

Erster satz: hitzschlag statt tiebreak

Tomljanovic schlägt von Beginn weg durch den Ball wie durch ein Klischee: flach, hart, ohne Netzroller. Paolini taumelt, aber sie fällt nicht. Beim 4:5 krallt sie sich an lange Aufschläge, dreht das Break und nimmt den Satz mit einem Aufschlagwinner, der selbst die Coachexperten im Eurosport-Container verstummen lässt.

Zweiter Satz: Gleiches Spiel, neues Glück – für die Australierin. Diesmal schlägt sie früher zu, doch Paolini antwortet sofort. Beim 5:5 wirft Tomljanovic alles nach vorn, einen Rückhand-Lob, der genau auf die Linie fällt, und plötzlich steht es 1:1 Sätzen. Die Sonne brennt, die Beine werden schwerer, die Gedanken schneller.

Dritter satz: die batterie war leer – nur nicht bei paolini

Dritter satz: die batterie war leer – nur nicht bei paolini

Was danach passiert, ist kein Tennis mehr, es ist reine Willenskunde. Tomljanovic trifft die Linien nicht mehr, ihre Vorhand landet im Netz wie ein müder Vogel. Paolini spürt den Moment, sprintt wie eine Halbmarathonläuferin und schlägt zwei Breaks zu, ehe ihre Gegnerin noch einmal Luft holen kann. Matchball Nummer zwei sitzt – 6:1. Jubel, der klingt, als hätte jemand die Ventile wieder aufgedreht.

Die Zahlen dahinter: 24 Winner, 28 unerzwungene Fehler – keine Glanzbilanz, aber eine, die zählt. Denn seit dem Halbfinale von Wuhan im Oktober hatte Paolini kein Turnier mehr über die zweite Runde gebracht. Indian Wells wird jetzt ihr Testlabor für die Frage: Kann eine Top-10-Spielerin wieder nach oben klettern, ohne sich selbst zu verlieren?

Am Sonntag wartet Talia Gibson, Qualifikantin, 21 Jahre, frisch nach dem Sieg gegen Clara Tauson. Eine Australierin gegen eine Italienerin – im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Für Paolini heißt es: No risk, no Sunshine Double. Und sie weiß, dass die Wüste nur dann Gold gibt, wenn man bereit ist, die letzte Feuchtigkeit aus den Lungen zu pressen.

Der Countdown läuft: Sie hat 48 Stunden, um die Schwellungen in den Oberschenkeln zu kühlen und die Gedanken wieder auf Center Court zu richten. Wer sie dort erwartet? Ein junges Mädchen mit nichts zu verlieren und allem zu gewinnen. Paolini hingegen hat endlich wieder etwas, wofür sie kämpfen darf: ihre eigene Bestätigung.