Odermatt regiert, die breite schrumpft: swiss-speed zieht die bilanz
20 Podestplätze aus 16 Rennen – die Quote klingt nach Erfolg, doch dahinter versteckt sich ein Problem: Nur vier Schweizer Speedfahrer holten diese Treffer, zwei Rennen lief sogar ohne Rotweiss auf dem Stockerl. Marco Odermatt trug allein zehn Mal Edelmetall nach Hause, Franjo von Allmen sieben Mal. Die anderen? Rutschten auf Rang vier bis sechs herunter, ohne je den Sprung aufs Podest zu schaffen.
Die abhängigkeit von odermatt und von allmen
Die Nidwaldner Dauerläufer lieferte sich mit von Allmen ein privates Duell um die Krone – und liess dabei fast alle anderen hinter sich. Die Konsequenz: Wer nicht Odermatt oder von Allmen heisst, musste mit Minimalzielen Vorlieb nehmen. Alexis Monney kam auf zwei zweite Plätze, Stefan Rogentine nur auf einmal. Die Tatsache, dass Justin Murisier nach seinem Saison-Coup 2024 diesmal gar nichts zählte, unterstreicht die Lücke zwischen Spitze und Verfolgung.

Verletzungspech und rücktrittswellen
Marco Kohler riss sich das Kreuzband – wieder. Niels Hintermann kehrt der Weltcup den Rücken, nachdem er die Olympia-Norm erfüllt hatte. Livio Hiltbrand, einst Junioren-Weltmeister, schrammte nur einmal in die Top-15. Die Verletztenliste liest sich wie ein Who-is-Who des Schweizer Nachwuchses. Wer fit blieb, musste mit Startnummernglück oder Europacup-Punkten kämpfen – ein Teufelskreis.

Die hoffnungsträger der nächsten saison
Alessio Miggiano sprang mit Platz fünf in Gröden und Rang acht in Crans-Montana ins Rampenlicht. Arnaud Boisset nutzte Kohlers Ausfall, um in Courchevel auf Position 13 aufzurücken. Lars Rösti verpasste den Fixstartplatz um Haaresbreite, bewies aber in Garmisch Form. Die Devise für die kommenden Monate lautet: Comebacks verhindern, Konstanz fördern – sonst bleibt Odermatt erneut weitgehend auf sich gestellt.
Die Bilanz ist keineswegs desaströs, doch die Breite, die Swiss-Speed einst ausmachte, schrumpft. Wer in Beaver Creek und Kvitfjell nicht auf dem Podest stand, war kein Einzelfall – es war das Vorspiel einer Trendwende. Die Königsdisziplin der Eidgenossen droht zur One-Man-Show zu verkommen, wenn nicht bald Nachschub aus dem Tal kommt.
