Handball-wm 2027: karten weg, gegner unbekannt – deutschland spielt schon

München schlägt Köln. Noch bevor der Handball-Weltverband die Gruppen lost, sind 30 000 Tickets für die deutschen Vorrundenspiele im SAP Garden weg – und das, obwohl DHB-Coach Alfreð Gíslason noch gar nicht weiß, wen sein Team am 13. Januar 2027 gegenübersteht. Der Rest der Arena war binnen 48 Stunden ausverkauft. Die Botschaft ist klar: Die Fans wollen nur eins – Nationalmannschaft live, egal gegen wen.

Der plan steht, die namen fehlen

32 Teams, acht Hallen, drei deutsche Städte im Einsatz. Der Rahmen ist betoniert, die Fußnoten bleiben offen. München (SAP Garden) bekommt Gruppe A mit Deutschland, Stuttgart (Porsche-Arena) übernimmt Gruppe B – dort könnte die Schweiz landen, vielleicht auch Italien. Kiel (Wunderino-Arena) und Magdeburg (Getec-Arena) folgen einen Tag später. Bis 19. Januar sind 96 Stunden Vorrunde geplant, danach zieht das DHB-Team nach Köln um, in die Lanxess-Arena, wo schon 2027 das Finale steigt. Drei weitere Spiele, 20., 22., 24. Januar. Das Viertelfinale folgt am 26., Halbfinale und Finale am 29. und 31. Januar. Deutschland würde also maximal sieben Mal in elf Tagen antreten – ein Pensum, das selbst Olympia-Handballer kaum kennen.

Der Clou: Der President’s Cup in Magdeburg entscheidet über Platz 25 bis 32. Die Nicht-Qualifizierten für die Hauptrunde bekommen ein eigenes Mini-Turnier – und damit ein Druckventil für kleine Verbände, die sonst nach zwei Niederlagen leer ausgingen. Für die TV-Rechte ist das ein gefundenes Fressen: 18 Partien zusätzlich, alle live, alle mit deutschem Kommentar.

Warum köln auch um platz fünf kämpft

Warum köln auch um platz fünf kämpft

Die Hauptrunden-Ausscheidungen am 25. Januar sind nicht Endstation. Die vier Viertelfinal-Verlierer bestreiten am Final-Wochenende zwei weitere Spiele – um Platz 5 bis 8. Grund: Die Plätierungen füttern die Olympia-Qualifikation 2028. Ein Sieg im kleinen Finale kann also Tokyo 2.0 bedeuten. Für das deutsche Team wäre das ein Trost, sollte der Traum vom Titel platzen. Die Zielsetzung lautet laut DHB-Sportdirektor Axel Kromer: „Halbfinale – alles andere wäre verschenkt.“

Der Vorverkauf läuft seit 15. Dezember 2025. Die Zahlen sprechen für sich: Köln meldet 92 Prozent Auslastung, Hannover 88 Prozent, Kiel und Magdeburg jeweils um die 80. Nur München ist ausverkauft – und das, obwohl dort die Preise mit 120 Euro für die Kategorie 1 am höchsten liegen. Die Botschaft: Handball ist kein Nischensport mehr, er ist Massenware – zumindest in Deutschland.

Die Gegner? Noch im Nebel. Die Qualifikation läuft bis August 2026. Sollte sich Deutschland als Gruppenkopf in Topf eins landen, drohen in der Vorrunde Teams wie Tunesien, Marokko oder Angola – allesamt machbar, aber auch allesamt gefährlich. Die Hauptrunde bringt dann Frankreich, Spanien oder Dänemark. Die deutsche Mannschaft hat seit 2024 kein Turnier verloren – eine Serie, die im eigenen Land enden oder legendär werden kann.

Fakt ist: Am 31. Januar 2027 um 18:30 Uhr steht ein neuer Weltmeister fest. Ob er deutsch ist, entscheidet sich in der Lanxess-Arena. Die Karten sind weg, die Trikots bestellt, das Land bereitet sich auf elf Tage Handball-Fieber vor. Wer jetzt noch dabei sein will, muss zu den Wiederverkäufern – oder auf 2031 warten. Die Uhr tickt. Noch 383 Tage.