Nagelsmann lässt undav sitzen – und liefert schonungsloses psychogramm

Basel. 4:3-Sieg, aber die Torschützenkönig-Frage überschattet alles. Deniz Undav, 18 Buden in dieser Bundesligasaison, blieb 90 Minuten auf der Bank. Stattdessen durfte Nick Woltemade ran – ein Angreifer, der in Newcastle gerade selbst seine Trockenphase hat.

Julian Nagelsmann wartete nach Abpfiff keine Sekunde. Er wusste, dass die Frage kommt, und lieferte eine Antwort, die so ehrlich ist, dass sie weh tut. „Es war ein Umschaltspiel mit hohem Laufaufwand. Undav braucht Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte, wir hatten aber 80 Prozent der Aktionen im Transition-Modus.“

Woltemade als therapie statt undav als routine

Der Bundestrainer redete nicht um den heißen Brei herum. Er gab zu, dass seine Entscheidung psychologisch motiviert war – nur eben nach seiner eigenen Logik. „Ich kann einem Top-Stürmer, der gerade läuft, noch mehr Selbstvertrauen geben. Oder ich kann einen Top-Stürfer, der gerade nicht läuft, fallen lassen.“

Die Pointe lieferte er gleich mit: „Wenn ich jetzt einen Psychologen frage, bekomme ich vermutlich das Gegenteil zu hören. Das ist ja deren Hobby – Trainer zu widersprechen.“ Das klang nicht nach Späßchen, sondern nach einem Mann, der sich mit externen Ratschlägen regelmäßig herumschlagen muss.

Die Zahlen sprechen trotzdem gegen ihn. Undav verwandelte in der laufenden Saison alle 86 Minuten. Woltemade braucht dafür 356 Minuten – und das in der Premier League, die aktuell nicht sein Revier ist.

Ghana-test wird zur nächsten nagelsmann-falle

Ghana-test wird zur nächsten nagelsmann-falle

Auf die direkte Frage, ob Undav nun am Montag gegen Ghana von Anfang an aufläuft, antwortete Nagelsmann nur: „Noch nicht entschieden.“ Das klingt nach klassischem Poker, ist aber ein Risiko. Jeder weitere Tag, an dem Undav die Bank streift, vergrößert die Debatte – und den Druck.

Intern ist man sich beim DFB längst einig: Die Sturm-Hierarchie muss vor dem ersten Länderspiel 2026 stehen. Sonst droht dieselbe Diskussion bei jedem Test, bei jedem Tor, bei jeder Niederlage. Nagelsmann hat mit seiner Offenheit eine neue Runde ausgelöst. Ob sie ihn stärkt oder lahmt, entscheidet sich schon in Leipzig – und zwar auf dem Platz, nicht auf der Couch.