Mugello feiert 50 jahre motogp-wahnsinn – ducati droht aprilia-blitz
Das Mugello kocht. Am 30. und 31. Mai rollt der MotoGP-Zirkus wieder in die toskanischen Hügel – und diesmal ist es kein gewöhnlicher Saisonlauf. 50 Jahre nach dem ersten Grand Prix auf dieser Strecke verwandelt sich die 5,2 Kilometer lange Asphalt-Rolle wieder in ein einziges gelbes Meer. Ducati fühlt sich wie der Gastgeber, aber Aprilia klopft mit Bezzecchi und Martin lautstark an die Tür.
Von monza nach mugello – eine odyssee
1973 schlug das Schicksal zu: nach dem tödlichen Crash von Jarno Saarinen und Renzo Pasolini in Monza verlor die Traditionsstrecke den italienischen Lauf. Imola, Misano, sogar ein kurzes Comeback in Monza – nichts hielt lange. Erst 1994 setzte sich das Mugello dauerhaft durch. Heute gilt der Kurs nicht nur als Fahrerlager-Favorit, sondern als inoffizieller Tempel der italischen MotoGP.
Die ersten Sieger? Barry Sheene 1976, damals noch auf der pulsierenden Zwei-Takt-Suzuki RG500. Kurz darauf jagte Kenny Roberts mit der Yamaha YZR500 über die Kuppe von San Donato – und legte den Grundstein für die Roberts-Ära. 1985 krönte sich Freddie Spencer sich mit dem Doppel auf Honda in 500 und 250 zum Jahrhundertfahrer.

Rossi, der könig im eigenen wohnzimmer
Keine Figur prägte das Mugello so sehr wie Valentino Rossi. Erste Trophäe 1997 – 125 ccm, bunte Puppe „Claudia Schiffer“ unter dem Arm. Dann 250 ccm-Sieg 1999, Premier-Class-Start 2000. Doch erst ab 2002 wurde es absurd: sieben Siege in Folge, gelbe Rauchwolken, Helmdesigns, die Kultstatus erreichten. Die Tribünen sangen „Vale, Vale!“ – bis Stoner 2009 die Serie riss.
Nach Rossis Abflauen übernahmen andere die Fackel. Jorge Lorenzo feierte sechs Erfolge, Marc Márquez schraubte sich mit Honda und später mit Ducati in die Bestenliste. 2020 – Corona – fiel das Rennen aus. Zurückgekommen 2021, triumphierte Quartararo, doch seitdem regiert nur eine Farbe: Rot. Dreimal Bagnaia, einmal Petrucci, einmal der zurückgekehrte Márquez. Ducati wirkt unbesiegbar.
Ducati oder aprilia – wer trägt 2026 das trikolore?
Jetzt blitzt es wieder. Aprilia schickt Bezzecchi und Martin in die Angriffsposition, beide auf Augenhöhe mit der roten Fabrik. Bagnaia kämpft mit Formtief, Márquez mit Rippen-Prellung. Die freien Fahrer – Di Giannantonio, Bastianini, Morbidelli – könnten plötzlich zu Leibwächtern des italischen Stolzes avancieren. Die Daten sprechen klar: Ducati und Aprilia liegen in den Long-Runs bis zu 0,3 Sekunden vor der Konkurrenz.
Draußen brummen bereits die Zelte. „Al Mugello non si dorme“ – drei Tage ohne Schlaf, dafür mit DJ-Sets, Grillfleisch und der obligatorischen Invasion der Bahn nach dem Zieleinlauf. Die Frecce Tricolori werden am Sonntag über den Kurs donnern, während die Tribünen schon morgens singen. Wer gewinnt? Vielleicht Bagnaia, vielleicht Bezzecchi – vielleicht schlägt jemand zu, den niemand auf dem Zettel hat. Eines steht fest: das Mugello wird wieder geschichte schreiben – laut, gelb, unvergesslich.
