Raúl martín presa schläft kaum vor dem leipzig-finale – und erklärt, warum 80 % der rayo-fans nach sachsen pilgern
Der Rayo-Präsident hat die Nacht durchgemacht. Während Tausende per Bus, Bahn und Billigflieger Richtung Leipzig starteten, saß Raúl Martín Presa bis tief in die Nacht bei Interviews und Checklisten – und stand vor Sonnenaufgang wieder am Hotel-Tresen. Der Grund: „Verantwortung“.
Die Zahl nagt an ihm. 2.200 Kilometer liegen zwischen Vallecas und Leipzig. Die Flugpreise explodierten, die Hotels sind seit Monaten ausgebucht. Trotzdem schafft es der Klub, rund 80 % seiner Dauerkarten-Inhaber ins Stadion zu bugsieren. „Keine andere Finalteilnehmer hat diese Quote“, betont Presa. „Wir spielen nicht in Guadalajara oder Toledo, wir spielen in Leipzig – und Vallecas ist leer, weil Vallecas hier ist.“
Der traum, der kein wunder ist
Vor fünfzehn Jahren stand Rayo Vallecano kurz vor der Insolvenz. „Wir hätten unterschrieben, 2026 noch am Leben zu sein“, sagt er. „Erste Liga, fünfter Liga-Verbleib in Folge, Europa-League-Finale – das istiert nicht aus dem Nichts, das ist reine Schwerstarbeit.“
Diese Schwerstarbeit hat ein Gesicht: das von Isi Palazón, über dessen rechte Außenbahn die Leipziger Abwehr seit Tagen Videos schneiden. Das von Pathé Ciss, der gegen Real Sociedad beim 0:1-Rückstand in der 80. Minute noch einmal Gas gibt – und prompt das 1,1 erzwingt. „Sechs Fehlentscheidungen gegen uns, und das Team stand wieder auf“, erinnert sich Presa. „Das ist Rayo: egal, wie hart sie dich treffen, du stehst wieder auf.“

Der kampfgeist als transfermarktwert
Presa spielt offen mit den Zahlen. Rayos Etat liegt unter den Top-10 der Primera – aber nur, wenn man ihn rückwärts liest. „Andere haben größere Budgets, modernere Stadien, bessere Flugzeuge“, sagt er. „Aber niemand darf uns in Arbeit, Einsatz und Opferbereitschaft übertreffen.“
Inzwischen ist die Leipziger Innenstadt ein rotes Meer. Tapas-Bars sind über Nacht aufgetaucht, die S-Bahn-Sprinter fahren mit Rayo-Fahnen. Die Deutsche Bahn schickte extra Garnituren nach Dresden, damit die Fangruppe Bukaneros pünktlich ankommt. Und Presa? Der schaut auf sein Handy, auf dem die letzte Nachricht vom Catering lautet: „Tapas für 25.000 Personen sind sicher.“
Die Uhr tickt. Noch fünf Stunden bis zum Anpfiff. Presa atmet tief durch. „102 Jahre warten wir auf diesen Tag. Jetzt liegt es an den Jungs auf dem Platz – und an den Menschen auf den Rängen, die ihre Stimme nicht verlieren werden.“ Er grinst. Der Schlaf kann warten. Die Trophäe nicht.
