Ferrari luce: segen durch den papst – ein sakrileg für puristen?
Maranello hat es gewagt: Der Ferrari Luce, das erste vollelektrische Modell des italienischen Sportwagenbauers, hat eine höchst ungewöhnliche Premiere gefeiert – mit einem Besuch beim Papst in Castel Gandolfo. John Elkann, Präsident von Ferrari, präsentierte dem Pontifex persönlich das umstrittene Gefährt, ein Schritt, der in der Automobilwelt für Aufsehen sorgt und die Frage aufwirft, ob Ferrari damit seine traditionsreiche Identität verrät.

Ein papstfahrzeug der besonderen art
Der Luce, in makellosem Weiß gehalten, wurde dem Oberhaupt der katholischen Kirche vorgeführt, der sich offenbar als Autoenthusiast einen Namen gemacht hat. Papst Leo XIV. nutzte die Gelegenheit, um das Fahrzeug aus der Nähe zu begutachten und sogar eine kurze Probefahrt zu unternehmen. Dabei zeigte er sich besonders an den technischen Details und den innovativen Systemen des ersten Ferrari mit vier Türen und fünf Sitzen interessiert – eine Konfiguration, die eingefleischten Ferrari-Fans den Atem stocken lässt.
Die Fahrt, bei der John Elkann auf dem Beifahrersitz Platz nahm, soll nur wenige Meter umfasst haben, doch die symbolische Bedeutung ist enorm. Es ist ein ungewöhnlicher Schachzug von Ferrari, der das Unternehmen in den Fokus der öffentlichen Diskussion rückt. Doch während der Papst sichtlich beeindruckt war, äußern sich andere Persönlichkeiten der italienischen Automobilwelt deutlich kritischer.
Luca Cordero di Montezemolo, der ehemalige Ferrari-Präsident, forderte offen, das Cavallino Rampante, das legendäre Pferd, vom Luce zu entfernen. Er warnt vor einer Verwässerung des Ferrari-Mythos. Auch Flavio Briatore, Teamchef von Alpine in der Formel 1, äußerte sich, wenn auch in knappen Worten: „Hat einen Vorteil: die Chinesen werden ihn nicht kopieren.“ Ein Seitenhieb auf die Produktionsstrategie und die potenzielle Konkurrenz aus dem Osten.
Die Entscheidung, den Luce mit dem Papst zu präsentieren, ist zweifellos ein kalkuliertes Risiko. Ferrari versucht, mit einem ungewöhnlichen PR-Coup die Aufmerksamkeit auf das neue Modell zu lenken und gleichzeitig eine gewisse spirituelle Legitimation zu erlangen. Ob diese Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass der Luce die Gemüter erhitzt und die Frage nach der Zukunft von Ferrari neu aufwirft: Kann ein traditionsreiches Sportwagenunternehmen wie Ferrari erfolgreich in die Elektromobilität einsteigen, ohne seine Identität zu verlieren?
Neben dem Besuch beim Papst absolvierte der Luce auch eine Fahrt zum Palazzo del Quirinale, wo Präsident Sergio Mattarella das Fahrzeug ebenfalls begutachten konnte. Die Reaktionen der italienischen Elite sind gespalten, doch eines ist klar: Der Ferrari Luce hat die Automobilwelt in ihren Bann gezogen und eine Debatte ausgelöst, die weit über die Frage der Elektromobilität hinausgeht.
