Mitchell lawrie, 15, erobert die darts-welt und darf noch nicht mal profi sein

Die Darts-Welt hat ein neues Wunderkind – und es darf noch nicht mal an der PDC-Tour antreten. Mitchell Lawrie aus Renfrew ist mit 15 Jahren und 110 Tagen jüngster Weltranglistenerster der World Darts Federation. Luke Littler? Vier Monate langsamer.

Die kleinstadt feiert ihren „wee sox“

Renfrew zählt 20.000 Seelen und drei Sehenswürdigkeiten. Jetzt kommen Busse mit Schulklassen, um vor dem Haus an der Main Street zu fotografieren. Stadtrat John Shaw ließ per Beschluss ein Stadion-Schild anbringen: „Our Mitchell“. Die Apotheke verkauft Kugelschreiber mit Mini-Darts-Spitze. Der Bürgermeister will eine Tartan-Linie zum Dartboard im Gemeindesaal verlegen – so sehr hasst das Kind Trainingsspäten.

Die Geschichte beginnt im Urlaub, betrunkener Opa, Board von der Wand, Enkel auf dem Boden. Mutter Lynn erzählt es gern: „Er konnte noch nicht laufen, aber die Pfeile schon halten.“ Corona machte den Jungen zum Pro: sechs Stunden am Tag, YouTube-Analytics als Schulfach, die Wand voller Blasenpflaster. Gary Anderson, schottischer Doppel-Weltmeister, sagte nach einer Show: „Der Junge trägt das Talent wie andere einen Rucksack – nonchalant, aber absolut todsicher.“

Rekorde, die keine altersklasse kennen

Rekorde, die keine altersklasse kennen

Lawrie gewinnt, was es zu gewinnen gibt – nur eben noch nicht gegen Erwachsene, die Geld verdienen dürfen. JDC-World-Cup mit 13, WDF-Jugendweltmeister mit 14, JDC-Weltmeister mit 15. Ein Neundarter auf der Development Tour? Kam am Samstag dazu, Nebensache. Erfolgserien laufen parallel: 38 Siege in Folge in der U-18-Bubble, drei Turniere in der offenen WDF-Klasse, Finale gegen van Schie verloren, aber die Quote bleibt makellos.

Die PDC schaut neidisch zu. Ihre Development-Tour beginnt erst mit 16. Lawrie kann also nur zuschauen, wie Kameraden, die er schlägt, schon Hotel und Flug von der Organisation spendiert bekommen. Manager Gary Plummer – derselbe, der Luke Littler ins „Target“-Team lotste – lacht trocken: „Wir planen 2027, nicht 2026. Bis dahin sammelt er Titel wie andere Panini-Bilder.“

Der countdown läuft: q-school 2027

Der countdown läuft: q-school 2027

Januar 2027, Milton Keynes, Q-School. Dort darf Lawrie endlich Profi werden. Die Prognose: Er trifft in Runde eins auf Littler. Buchmacher nennen Quote 3,2, dass beide 100er-Average werfen – Rekord für ein Erstrunden-Spiel. Lawrie selbst kauft sich für Siegprämien FIFA-Punkte. „Ich will Weltmeister werden, nicht reich“, sagt er und meint es ernst. Seine Schule tauscht Hausaufgaben gegen Trainingspläne: Mathe fällt aus, wenn die Double-Rate unter 45 % liegt.

Und Renfrew? Die Stadt plant schon den Empfang, bevor das Kind überhaupt starten darf. Die Kirche läutet, wenn er online ein Turnier gewinnt. Die Brücke schwingt sich extra langsam, damit die Autos hupen können. Mitchell Lawrie lacht, wirft Triple-20, dreht sich um und grinst: „Noch ein Jahr, dann darf ich endlich Geld damit verdienen, dass ich das tue, wofür andere bezahlt werden, um es sich anzuschauen.“