Vingegaard plantzt den giro-roulette: kann er pogacars coup wiederholen?
Die Radsportwelt hält den Atem an: Jonas Vingegaard, der zweimalige Tour-de-France-Sieger, wagt einen Schachzug, der so kühn ist, dass er selbst seinen eingefleischten Anhängern den Atem raubt. Er stellt sich nicht wie üblich direkt der Gelben Trikot-Verteidigung, sondern plant seinen Angriff auf die Dominanz Tadej Pogacars mit dem Giro d'Italia als Sprungbrett. Ein riskantes Unterfangen, das die etablierten Regeln des Radsports auf den Kopf stellt.
Die legende des doubles: eine rarität der radgeschichte
Das Double Giro/Tour ist eine Legende, ein Mythos, der nur den größten Stars der Radgeschichte vorbehalten war. Marco Pantani triumphierte als Letzter im Jahr 2000. Davor, eine lange Reihe von Ausnahmetalenten, darunter der unvergessliche Eddy Merckx mit drei Doubles in den 1970er Jahren. Pogacars Sieg vor zwei Jahren schien diese Rarität wieder zum Leben zu erwecken – ein Signal, dass das Unmögliche möglich ist. Aber die Frage ist: Kann Vingegaard diesen Coup wiederholen und dabei seine Form für die Tour de France erhalten?
Tadej Pogacar nutzte den Giro 2022 als Vorbereitung für seinen Tour-Sieg, eine Strategie, die viele als genial beschrieben haben. Er „missbrauchte“ den Giro quasi, um in Frankreich in Höchstform anzutreten. Vingegaard ahmt diesen Ansatz nun nach, doch er hat eine weitere Erfahrung gesammelt: seinen souveränen Sieg bei der Vuelta a España 2023. „Ich spürte keine Müdigkeit, im Gegenteil, meine Form bei der Vuelta war mindestens so gut wie bei der Tour, wenn gegen Ende hin nicht sogar besser“, so der Däne.

Der stille konkurrent: vingegaard gegen die tradition
Vingegaard ist kein Draufgänger wie Pogacar. Er ist der stille, introvertierte Radfahrer, der seine Emotionen unter Kontrolle hat. Nur Siege und seine Familie zaubern ihm ein Lächeln ins Gesicht. Seine Strategie, zuerst den Giro zu gewinnen und dann die Tour anzugreifen, ist ein wagemutiger Schritt, der zeigt, dass er bereit ist, Konventionen zu brechen. Seine Losung lautet: „Gehe nicht direkt auf Gelb, sondern erst über Rosa.“
Die italienische Rundfahrt beginnt am kommenden Freitag. Adam Yates, der Giro-Sieger des Vorjahres, ist nicht mehr im Rennen, und der junge Mexikaner Isaac del Toro wird seine Tour-Premiere nutzen, um als Helfer für Pogacar zu fungieren. Doch Vingegaard steht vor einer noch größeren Herausforderung: Er muss beweisen, dass er nicht nur ein Tour-Sieger ist, sondern auch ein echter Allrounder, der in der Lage ist, die Anforderungen des Giro zu meistern und gleichzeitig seine Form für die Tour zu erhalten. Die deutsche Equipe Bora-Hansgrohe mit Jai Hindley und Giulio Pellizari wird alles daran setzen, den Dänen zu ärgern.
Pellizari, der Stern des italienischen Radsports, hat bei der Tour of the Alps bereits seine Form unter Beweis gestellt. „Dass seine Form passt, hat der in den Marken geborene und in San Marino lebende Pellizari unlängst bei der Tour of the Alps, seiner Generalprobe, deutlich gemacht“, so Beobachter. Aber Vingegaard ist kein Mann, der sich leicht einschüchtern lässt. Er ist bereit, Geschichte zu schreiben und den Beweis zu erbringen, dass das Double Giro/Tour wieder möglich ist.
Sollte Vingegaard in Rom das Rosa Trikot überziehen, würde er in einen elitären Kreis einziehen, den nur wenige Fahrer je erreicht haben. Er würde Pogacar übertrumpfen und beweisen, dass er nicht nur ein Tour-Sieger ist, sondern ein wahrer Gigant des Radsports.
