Marcin dickenmann jagt den aufstieg – und trägt das gen von lara
Er spielt hinten rechts, schiebt aber ganz vorn mit: Marcin Dickenmann will den FC Aarau zurück in die Super League führen. Die DNA dazu steckt in seinem Namen – und in seinem Cousin Lara.
Der familienplan steht seit kindheitstagen
Schon als Sechsjähriger lief er zwischen Kegelhütchen her, während sein Vater auf dem Platz von Höngg die B- Junioren drillte. Bruder und Schwester ballerten ebenfalls, doch die größte Fußball-Referenz der Verwandtschaft lief bis 2019 in Lyon auf. Lara Dickenmann, 135 Länderspiele, Champions-League-Siegerin, Vorzeigespielerin – und nun geistiger Reiseleiter für einen 25-jährigen Challenge-League-Verteidiger. „Wenn mich jemand mit ihr vergleicht, lache ich“, sagt Marcin. „Stolz ist das falsche Wort – es ist ein Antrieb.“
Antrieb braucht Aarau. Seit 2014 irrlichtert der Traditionsklub zwischen Rückkehr und Ruin. Die letzte Saison endete auf Platz drei, diesmal soll der Sprung endlich klappen. Dickenmann lief bereits 28 Mal auf, meist als rechter Außenbahn-Metzger, der sich lieber in Zweikämpfe wirft als in Statistiken. „Ich bin kein Dani Alves“, sagt er lachend, „ich bin der Typ, der den Gegner erst mal schlucken lässt.“ Genau das fehlte Aarau in den vergangenen Jahren: ein Mann, der hinten den Deckel draufhält, wenn vorne die Tore fallen.

Statistik lügt nicht – aber sie erzählt auch nicht alles
12 Gegentore in 14 Spielen seit seiner Fixierung in der Startelf. Das ist kein Zufall, sondern Zahlenwerk, das Trainer Marco Streller intern schon mehrfach hervorgeholt hat. Dickenmanns Laufleistung liegt bei 11,4 Kilometern pro Partie – Spitzenwert im Kader. „Er frisst sich durch Spiele, ohne laut zu werden“, sagt Streller. „Genau so muss Challenge-League-Fußball aussehen, wenn man sich verändern will.“
Veränderung bedeutet auch: Druck wegstecken. Die Berner Oberländer Presse titelte nach dem Last-Minute-Sieg gegen Vaduz: „Dickenmanns Biss rettet Aarau.“ Er selbst schob das Lob weg: „Erst die Liga, dann die Lorbeeren.“ Dabei wäre es ein Leichtes, sich in der berühmten Cousin zu sonnen. Lara schickt ihm nach jedem Spiel eine Sprachnote, meist zwei Sätze. „Kurz, klar, bissig – wie ihre Flanken“, sagt er. Die letzte Nachricht lautete: „Raus aus der Komfortzone, rein in die Geschichte.“
Geschichte schreiben will Aarau seit Jahren. Die Tabellenlage stimmt: nach 23 Runden 46 Punkte, zwei vor Wil, vier vor Schaffhausen. Die Playoffs rücken näher, mit ihnen das Duell mit dem FC St. Gallen oder Sion. Für Dickenmann ein Traumszenario. „Wenn wir aufsteigen, ziehe ich mit meiner Familie auf den Hof eines Bauern, der Fan ist. Kein Luxus, keine Villa, nur ein Kühlschrank voller Bier und ein Fernseher, der die Saison-Zusammenfassung spielt.“
Bis dahin bleibt die Devise: Bodenhaftung statt Promiglanz. Er trainiert zusätzlich nachts mit einem ehemaligen Sprintcoach, um seine Beschleunigung auf unter 3,9 Sekunden über 30 Meter zu drücken. Wenn er nicht auf dem Platz ist, studiert er Fitnesstrainer-Unterlagen – kein BWL-Studium, keine Influencer-Karriere, nur reine Schweißarbeit. „Ich will nicht der nächste Lara sein, ich will der erste Marcin sein, der Aarau in die Super League führt“, sagt er.
Am Samstag steht das Auswärtsspiel in Winterthur an, Mitte Mai folgt das mögliche Finale gegen den FC Thun. Wenn dann die Sirenen der Berner Polizei durch die Strassen heulen, ist auch Lara live dabei – per Stream, aber mit Herzschlag. „Sie schickt keine Emojis, sie schickt Energie“, lacht Marcin. Und wenn der Aufstieg tatsächlich klappt? Dann zieht er sich das Trikot von 2003 über, jenes mit den alten roten Streifen, und läuft barfuß über den Platz. Nicht aus Aberglauben, sondern weil er sich den Moment in die Fußsohlen brennen will. „Fußball im Blut ist ein Mythos“, sagt er. „Man muss ihn sich erarbeiten.“ Für Aarau. Für Lara. Für sich selbst.
