Michael ballack bricht sein schweigen: ‚verdrängung ist mein überleben‘
Der Mann, der einst mit eiserner Miene Elfmeter verwandelte, kämpft jetzt mit dem größten Gegner: dem Verlust. Michael Ballack, 49, spricht erstmals öffentlich über den Tod seines Sohnes Emilio – und die Worte kommen rauer als jedes Foul auf dem Platz.
‚Ich kann kaum über ihn reden, sonst bricht alles‘
In der Sky-Doku „Meine Geschichte – das Leben von …“ bricht die Stimme des einstigen DFB-Kapitäns mehrfach. „Es ist ein Verdrängungsprozess“, sagt er, während die Kamera sein zitterndes Kinn einfängt. „Jeder Tag ist ein Neuanfang, der nie anfangen will.“ Emilio starb 2021 mit 18 Jahren bei einem Quad-Unfall in Portugal. Seitdem herrscht in der Familie Ballack Stille, die lauter ist als jedes Stadion.
Ballack beschreibt das Leben danach als „Dauer-Bewegungsdrill“. Arbeit, Training, die beiden jüngeren Söhne – alles darf nur nicht stillstehen. „Wenn ich pausiere, kommt die Bildflut. Emilio auf dem Quad. Das Telefonat aus Portugal. Das Krankenhaus. Deswegen packe ich den Kalender voller Termine, bis keine Lücke mehr bleibt.“

Tränen statt taktik: warum er den schmerz nicht analysiert
Fußballer debriefen Spiele, ziehen Bilanz, schauen Videos. Bei Trauer funktioniert keine Taktik. „Ich habe versucht, das wie eine Verletzung zu behandeln: Reha, Training, Comeback. Aber der Muskel Herz lässt sich nicht flicken“, sagt Ballack. Selbst Psychologen hätten ihm keine Übung nennen können, die den Blick auf Fotos erträglich macht. „Ich kann sie nicht ansehen. Noch nicht.“
Das einzige, was hilft, sei das Bewahren von Ritualen. Frühsport mit den Söhnen, gemeinsames Frühstück, dann ins Büro. „Wir reden nicht über Emilio, wir tragen ihn mit uns. Das ist unser Stillen, nur eben in Mannschaftsform.“

Der blick nach vorn ist ein blick zur seide
Ballack will keine Trost-Formeln. „Es gibt kein Happy-End, es gibt nur Weiter-so.“ Dankbarkeit nennt er das, „dass wir bis heute durchgehalten haben“. Für andere Betroffene hat er keinen Rat, nur eine Feststellung: „Verdrängen ist kein schlechtes Wort, wenn es dir erlaubt, aufzustehen.“
Am Ende des Gesprächs fasst er sich an die Kette, die Emilio ihm geschenkt hatte. Sie ist schlicht, kein Blickfang – und genau deshalb sein wertvollstes Accessoire. „Ich trage ihn, ohne dass die Welt es merkt. Das ist mein Spielplan. Mehr habe ich nicht.“
