Ballack bricht sein schweigen: „das leben ist kostbar, das schicksal spielt mit“

Fast drei Jahre lang herrschte Stille. Nun redet Michael Ballack über den Tod seines Sohnes Emilio – und reißt alte Wunden auf.

Der unfall, der alles veränderte

Es war der 5. August 2021, als der Quad in Troia, Portugal, durch die Luft flog. Emilio Ballack wurde 18. Seitdem trug der Vater seine Trauer nur hinter verschlossenen Türen. Simone Lambe, seine Ex-Frau, sprach öffentlich – er nicht. Erst jetzt, im Gespräch mit Sky Sport Deutschland, bricht der Ex-Nationalspieler sein Schweigen. „Man kann es sich nicht vorstellen. Man kann es nicht in Worte fassen“, sagt er. Seine Stimme zittert. Die Kamera hält die Pause fest, die länger wird als jede Antwort.

Ballack spricht von Verdrängung. Von Tagesstrukturen, die ihn halten. Von Louis und Jordi, den beiden jüngeren Söhnen, die ihn jeden Morgen aus dem Bett holen. „Du willst ihnen Stabilität geben, Liebe, Sicherheit. Das ist deine Aufgabe als Vater.“ Dabei wischt er sich über das Gesicht, als wollte er eine Spur wegmachen, die man nicht sieht.

„Einfach nicht mehr das gleiche“

„Einfach nicht mehr das gleiche“

Die Worte sind schlicht, aber sie schlagen ein wie ein Freistoß unter die Latte: „Es ist einfach nicht mehr das Gleiche.“ Kein Pathos, keine Lektion. Nur die nackte Feststellung, dass ein Leben mit Loch funktioniert – aber nie wieder rund. Ballack arbeitet als Experte, reist mit Leverkusen, sitzt im Mai auf dem Rotes-Rathaus-Balkon, hält die Pokale in die Kameras. Doch selbst wenn sich die Muskeln erinnern, wie man feiert, spürt er die Leere zwischen den Sekunden.

Er nennt es „ein Prozess der Verneinung“. Jeden Tag aufs Neue. Die Uhr tickt, die Termine kommen, die Bundesliga rollt weiter. Aber irgendwo in Troia steht still ein Quad auf dem Kopf – und ein Vater, der nie wieder vorbeifahren kann, ohne zu bremsen.

Die Kamera schaltet auf die Uhr: 91. Minute. Die Interview-Crew packt bereits zusammen. Da sagt Ballack noch einen Satz, leiser als zuvor: „Das Schicksal mischt die Karten. Du musst weiterspielen, auch wenn du die Regeln nicht kennst.“ Dann steht er auf. Kein Handschlag, kein Blick zurück. Nur das Geräusch von Sneakers, die über den Asphalt gehen – und das Wissen, dass manche Trikots nie mehr gewaschen werden können.