Marchand bricht zusammen und attackiert paralympics-organisatoren

Kathrin Marchand schleppte sich mit zittrigen Beinen aus der Loipe, ihr Blick trüb, die Stimme rau. „Ich hab fast nichts mehr gesehen, meine linke Seite war weg“, sagte sie, und schon im nächsten Atemzug schoss die Wut heraus: „Warum nicht gesalzen? Das war eine Katastrophe.“

35 Grad im schatten – auf schnee

Die Leverkusenerin lag nach 4,2 km noch auf Bronze-Kurs, dann ging das Licht aus. 10 °C, T-Shirt-Wetter, die 10-km-Route im kanadischen Canmore verwandelte sich in ein tiefes, schweres Meer aus Mash. Marchand, seit ihrem Schlaganfall 2018 halbseitig gelähmt, musste ihr betroffenes Bein mühsam über die Fäden heben – 60 Mal pro Kilometer. „Ich bin nicht die Leichteste, die den Berg hochlaufen muss“, sagt sie trocken. Die Folge: Kreislaufkollaps, Schwindel, Rennabbruch. Nie zuvor hatte sie aufgegeben.

Die Organisatoren hatten auf Salz verzichtet – aus Umweltschutzgründen, hieß es. Marchand lachte bitter: „Die Medaille war drin, aber die Bahn war einfach weg.“ Ihre Trainer halfen ihr ins Zelt, wo sie 20 Minuten lang auf einer Trage liegen blieb, bevor sie überhaupt wieder sprechen konnte.

Staffel oder 20 km – letzte chance auf revanche

Staffel oder 20 km – letzte chance auf revanche

Noch ist sie nicht fertig. Am Samstag steht die Staffel an, am Sonntag die 20 km. „Ich werde nicht aufgeben, nur weil ein Rennen mies lief“, sagt sie. Die Physiotherapeuten arbeiten an ihrer Stabilität, die Techniker tauschen die Wachstemperaturen. Marchand selbst schaut nach vorn: „Der Schnee kann mir morgen genauso zurückschnurren – ich bin noch da.“

Sie fuhr mit der Hand über das nasse Band an ihrem Bein und ging zum Bus. Kein Drama, kein Tränentheater – nur eine Athletin, die weiß: Die Loipe ist hart, aber sie auch.