Hamburg wirft 4,8 milliarden in den ring – und glaubt an plus

Die Stadt will Olympia und schiebt dafür 4,8 Milliarden Euro in die Waagschale. Der Plan: nach dem Spektakel 100 Millionen plus in der Kasse. Nicht weniger als dreimal haben Finanzgutachter die Excel-Tabellen durchgerechnet, bis der Senat sich traute, diese Prognose zu verkünden. Die Rechnung steht, bevor ein einziger Spatenstich erfolgt ist.

Der preis ist halbiert, der traum geblieben

Der preis ist halbiert, der traum geblieben

Andreas Dressel, Finanzsenator und SPD-Mann, schwört auf Zahlen statt auf Gefühle. „Wir liegen deutlich unter den Kosten von 2015“, sagt er und meint damit das gescheiterte Volks-Votum, das vor neun Jahren die Traum-Show abwatschte. Damals hätte der Bund 6,2 Milliarden springen lassen müssen, heute soll Hamburg allein zahlen – und trotzdem Gewinn schreiben. 628 Millionen sind als Puffer für das Unvorhersehbare einkalkuliert, 15 Prozent vom Gesamttopf. Ein Sicherheitsgurt, der gleichzeitig Drohkulisse ist: Werden die Lücken größer, füllt ihn niemand aus Berlin.

Die Gegenseite ist schon alarmiert. NOlympia nennt das Vorhaben ein Milliardenrisiko ohne nennenswerten wirtschaftlichen Nutzen. Die Initiative mobilisiert für das Bürger-Votum am 31. Mai, das über weitere Schritte entscheidet. 51,6 Prozent der Hamburger sagten 2015 Nein – eine Mehrheit, die sich leicht verschieben kann, wenn die Versprechen glaubwürdiger klingen als vorher.

Die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds fällt im September. Hamburg konkurriert mit Berlin, München und der Rhein-Ruhr-Region. Wer den Zuschlag erhält, darf sich bei den Spielen 2036, 2040 oder 2044 bewerben – ein offenes Datum, das genug Raum für weitere Kostenkurven lässt. Dressel bleibt cool: „Transparent kalkuliert, wirtschaftlich tragfähig.“ Die Stadt werde neue Sportstätten, Technologie und Marketing kaufen – und hinterher schärfer, schneller, moderner dastehen. Ob das reicht, um Skeptiker umzustimmen, entscheidet sich an der Elbe, nicht in Lausanne.

Die Wette steht: 4,8 Milliarden Einsatz, 100 Millionen Gewinn, unendlich viel Prestige. Hamburg rollt den Rubel, bevor der erste Athlet startet.