Hamburg wirft 4,8 milliarden in den ring – und will schwarze zahlen für olympia
Die Rechnung ist ein Wink mit dem Zaunpfahl: Hamburg plant, Olympia 2036, 2040 oder 2044 für genau 4,8 Milliarden Euro auszurichten – und dabei sogar 100 Millionen Euro Gewinn zu machen. Der Senat legte am Mittwoch sein finanzielles Rahmenkonzept vor, das Einnahmen von 4,9 Milliarden Euro verspricht. Ob die Stadt am Ende wirklich plusmacht, hängt von einem fetten Aber ab: 1,3 Milliarden Euro müssen vorab in die Infrastruktur fließen. Geld, das laut Plan in den ohnehin veranschlagten Investitionsetat der Stadt geschmuggelt wird – ein Trick, der Bürgern und Bundesrechnern künftig Streit beschert.

Grote setzt auf olympia als gelddruckmaschine
Sportsenator Andy Grote (SPD) wirbt mit der Macht der großen Zahlen. „Wir werden mit Olympia für die großen Zukunftsthemen unserer Stadt mehr Geld haben als ohne“, sagt er und wirft den Bürgern vor, die Rechnung nicht zu verstehen. Was sich leisten könne, sei Olympia – was sich nicht leisten könne, sei Verzicht. Die Rhetorik klingt wie ein Sprung aus zwölf Metern: mutig, aber mit hartem Aufprall. Denn 2015 scheiterte Hamburg bereits an einem Volksentscheid zur Bewerbung. Die Angst vor versteckten Kosten war damals größer als der olympische Traum.
Diesmal soll am 31. Mai ein neues Referendum den Bürgerwillen messen. Vier deutsche Regionen wollen die Sommerspiele, nur München hat eine klare Meinung: 66,4 Prozent sagten dort Ja. Berlin, das Rhein-Ruhr-Gebiet und Hamburg buhlen weiter um Zustimmung. Der Deutsche Olympische Sportbund will am 26. September 2026 in Baden-Baden entscheiden, wer nach Los Angeles 2028 und Brisbane 2032 antreten darf. Die Uhr tickt. Hamburg muss bis dahin nicht nur die Infrastruktur, sondern auch die Köpfe der eigenen Bürger umgebaut haben.
Die Stadt verspricht, dass keine Steuererhöhungen fällig werden und dass der Bund die Risiken trägt. Versprechen, die sich schnell in Luft auflösen, wenn Bauverzögerungen und Preisspitzen zuschlagen. Die Geschichte der Olympischen Spiele ist ein Kataster höherer Gewalt: Montreal dauerte 30 Jahre, um seine Schulden zu tilgen. Athen gilt noch heute als Milliardengrab. Selbst London 2012 kostete am Ende das Doppelte der ursprünglichen Schätzung. Hamburg will die Lehren gezogen haben – und trotzdem in dieselbe Falle treten.
Die eigentliche Frage lautet nicht, ob Hamburg Olympia aushält. Die Frage lautet: Was passiert, wenn die 4,9 Milliarden nicht reichen? Dann springt der Steuerzahler ein. Und dann wird aus der Rendite eine Rechnung, die die Stadt jahrzehntelang verfolgt.
