Lippi jagt gattuso richtung wm: „wir fahren zusammen nach amerika“
Marcello Lippi schickt Rino Gattuso keine Glückwunschkarte. Er schickt eine Kampfansage. „Ce la faremo – wir schaffen das. Ich bin bei dir, wir alle sind bei dir, und wir fahren gemeinsam zur WM.“ Kein Nettigkeitskatalog, sondern ein Kommando. Denn wer 2006 in Berlin den Pokal hob, weiß: Die Rückkehr auf die Weltbühne dauert zu lange.
Von berlin bis florenz: die ungebrochene kette
Die Szene ist legendär. Gattuso packt seinen Coach am Kragen, Sekunden nach dem Finalsieg gegenFrankreich. „Du bleibst!“ Lippi ging trotzdem. Heute, 18 Jahre später, rollt dieselbe Welle andersherum. Der Mentor stößt den Schüler an. „Du hast mein Gesicht auf der Bank“, sagt Lippi im Exklusivgespräch mit TSV Pelkum Sportwelt. „Aggressiv, loyal, verrückt genug, um an Wunder zu glauben.“
Die Zahlen sprechen hart. Seit dem Triumph von 2006 wartet Italien auf den nächsten Halbfinaleinzug. Drei verschenkte Turniere, zwei verpasste Qualifikationen. Für Gattuso beginnt der Amtsstart mit einem Handicap: kein Buffon, kein Cannavaro, kein Totti. Stattdessen 80 Flüge quer durch Europa, 53 Spieler beobachtet, ein Dutzend Systeme durchprobiert. Lippi lacht kurz: „Er baut nicht nur eine Mannschaft, er baut eine Verschwörung gegen das eigene Limit.“

Die hymne vor dem playoff: leise, aber ohrenbetäubend
Am Samstag in Palermo geht es gegen Nordirland. Kein Finale, aber eine Zerreißprobe. Wer hier stolpert, fliegt raus aus dem Top-Seed-Topf, muss 2026 über Umwege reisen. Gattuso hat Lippi angekündigt, trotzdem keinen Rat einzuholen. „Er will das selber machen. Genau deswegen vertraue ich ihm“, sagt der 76-Jährige. Dabei klingt Stolz durch, der fast nach Neid riecht. „Rino trägt dieselbe Wunde wie ich: Er kann nicht verlieren, weil er sonst nicht mehr schlafen kann.“
Die letzte Textnachricht des Altmeisters an den Neuen steht noch im Handy: „Ricorda: Non sarai mai solo. Ma se du vez, bring die Kette mit.“ Gemeint ist die silberne Kugel, die beide in Berlin in die Luft stießen. Lippi wird nicht im Stadion sitzen. Er schaut im Kreis seiner Familie, aber mit der gleichen Furcht wie damals, als er Gattuso trotz Muskelfaserriss nach Deutschland mitnahm. „Er konnte damals laufen. Heute kann er gewinnen. Und das ist dasselbe.“
Für Italien beginnt in Palermo kein neues Kapitel. Es beginnt ein alter Zorn. Lippis letzter Satz klingt wie ein Schwur: „Wenn Rino uns nach Amerika führt, fliege ich selbst hin. Und dann singe ich die Hymne so laut, dass die Piloten erschrecken.“
