Leonie zegg bricht bei wm-abfahrt zusammen – kreuzbanddroht

Ein Satz, ein Knall, ein Schrei im Wald. Leonie Zegg flog auf der Zielgeraden von Val di Fassa in die Luft, drehte sich um die eigene Achse und knallte mit voller Wucht auf das harte Firn. Sekundenbruchteile später hielt sich die 21-jährige Tirolerin das linke Knie, als hätte sie es verloren. Tränen statt Jubel, Akja statt Siegerpodest.

Der verdacht: kreuzbandriss

Was die Kameras nicht zeigten, hörte man aus dem ORF-Headset: »Knack, dann Stille.« Die medizinische Sofortdiagnose lautet Kreuzbandriss, bestätigt ist noch nichts. Doch wer Zeggs Gesicht sah, wusste Bescheid. Die Vorjahres-Vizeweltmeisterin der Junioren wurde noch auf der Piste stabilisiert und in die Medalp Sportclinic Imst geflogen, zur Knie-Spezialistin Dr. Katja Tecklenburg. Dort wartet ein MRT, das über Monate entscheidet.

Für Österreichs Speed-Frauen ist es der nächste Schock. Vor zwei Jahren hatte Zegg bereits einen Innenbandriss, damals fünf Wochen Pause. Diesmal sieht es nach einer kompletten Saison-Aus aus. Teamchef Christian Moser sprach von einem „schwarzen Tag“, auch weil Nina Ortlieb – Zeggs Cousine – nur 30 Minuten zuvor ebenfalls gestürzt war. Die Routinierin blieb unverletzt, doch die Ironie ist bitter: 21 Operationen hat Ortlieb bereits hinter sich, diesmal blieb sie heil, während die Jüngere zusammenbricht.

Warum dieser sturz weit über val di fassa hinausweist

Warum dieser sturz weit über val di fassa hinausweist

Die Abfahrt war kein Zufall. Die Streckenposten hatten die Zielgerade wegen Windböen erst um 30 cm angehoben, ein Detail, das im Lauftraining nicht abverhandelt wurde. Zegg traf den Absprung mit zu viel Druck, das Ski-Tail kippte, der Körper segelte unkontrolliert. Eine Variante, die auch die FIS-Delegierten beschäftigt. Intern wird nun geprüft, ob künftige Zielsprünge bei Frauen-Abfahrten flacher dimensioniert werden müssen.

Für Zegg persönlich bricht eine Saison auseinander, die gerade erst Fahrt aufnahm. Im Januar hatte sie in St. Moritz erstmals Weltcup-Punkte geholt, Platz 18, ein Erfolg, der sie auf die Olympia-Shortlist hob. Jetzt droht neun Monate Reha, ein zweiter Kreuzbandriss wäre psychologisch fast noch härter als physisch. Die Statistik spricht gegen sie: 42 Prozent der Skirennfahrerinnen kehren nach zwei Kreuzbandverletzungen nicht auf Weltcup-Niveau zurück.

Die nächste Abfahrt in La Thuile steht bereits am Wochenende an. Dort wird ein Startplatz frei bleiben, ein Name fehlt im FIS-System. Die ÖSV-Techniker haben Zeggs Ski bereits aus dem Wachsraum genommen, die Kanten sind abklebbar. Es ist ein Schweigen, das lauter ist als jeder Sturz.