Leonie walter ringt nach 2,5 stunden drama endlich bronze ans sich

Leonie Walter hat sich in Norditalien nichts geschenkt. Die 22-jährige Biathletin mit Sehbehinderung wartete zweieinhalb Stunden, ehe sie ihre dritte Bronzemedaille endlich in den Händen halten durfte – ein Happy End nach einem nervlichen Thriller, den selten ein Athlet erlebt.

Technikpanne beim ersten schuss versetzt finale in aufruhr

Beim Finale der Sprintverfolgung ging nichts mehr. Die Skiglatte klemmte, der Laser verweigerte, und Walter stand sichtlich irritiert am Schießstand. Die Jury reagierte, gewährte eine Zeitgutschrift – doch die tschechische Delegation legte sofort Protest ein. „Es ist eine komische Situation. Das hatte ich noch nie in meinem Leben, dass ich bei der Jury aussagen muss und jetzt in wenigen Tagen mehrfach“, sagte Walter nach dem Rennen mit einem schiefen Lächeln.

Die Deliberation zog sich. Reporter verließen das Mixed Zone-Zelt, Fotografen vertrieben sich mit Kaffee. Und Walter? Verharrte in der warmen Kabine, atmete tief durch, hörte Musik. Als das Urteil fiel, war es halb elf abends. Bronze für Walter, Bronze auch für Simona Bubenickova – ein Kompromiss, der Sportlerinnen in den Mittelpunkt rückt.

Rückstufung beim sprint brennt noch immer

Rückstufung beim sprint brennt noch immer

Die Erleichterung über die Medaille konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Walter in Tesero noch eine Rechnung offen hat. Beim Sprint schob sich ihr Guide Christian Krasman wegen eines kurzen Blicks zurück kurz in verbotene Gleittechnik – Platz zwei wurde nachträglich zu Platz vier. „Es ärgert mich richtig wegen der Silbermedaille im Sprint, ich verstehe es nicht“, gestand sie. Die Jury hatte damals nicht mit dem Finger auf die Regel, sondern auf fehlende Absicht gezeigt – und trotzdem gestraft.

Bundestrainer Ralf Rombach lobte den Umgang der IBU mit beiden Vorfällen: „Es kann nicht die Jury allein entscheiden, sondern hat auch ein Signal von der Verbandsführung bekommen, dass sie das so machen dürfen. Ich finde das groß von der IBU. Das zeigt, dass sie auch die Sportlerinnen an erster Stelle sehen.“

Walter lacht heute, wo sie kann. Die Anziehungskraft auf Drama bleibt, doch diesmal endete das Theater nicht mit Tränen, sondern mit einem glänzenden Stück Metall. Und vielleicht, sagt sie, reicht das, um das nächste Mal wieder ganz oben zu stehen.