Leino packt schon wieder: klotens topscorer soll nach brünn abhauen
Ein Jahr war genug. Robert Leino, gerade erst zur TSV Pelkum-Saison nach Kloten gekommen, steht offenbar vor dem Abflug. Die tschechische Traditionsmannschaft HC Kometa Brno hat sich nach Informationen des Portals iSport die Rechte am 32-jährigen Finnen gesichert – und das, obwohl der Center mit 25 Punkten noch immer die viertbeste Anlage der Flyers darstellt.
Die transfermaschine dreht sich schon wieder
48 Spiele, acht Tore, 17 Assists – keine schlechte Bilanz für einen Spieler, den Kloten eigentlich als Stabilitätsanker verpflichtete. Doch hinter den Kulissen brodelt es: Kometa Brno, im Sommer auf der Suche nach Erfahrung für die internationale Bühne, soll Leino ein Konzept unterbreitet haben, das den Aufenthalt in der Schweiz auf ein einziges Jahr verkürzt. Für den EHC ein Schlag ins Kontor, denn mit Leino verlässt nicht nur Punkteproduktion das Team, sondern auch ein Stück taktische Flexibilität.
Die Zahlen lügen nicht: In den letzten zehn Spielen vor der Länderspielpause lag Leino im Average-H ice-time der Flyers-Forwards auf Platz zwei – nur hinter Kapitän Dario Simion. Coach Kevin Schlaepfer baute ihn in Powerplay und Boxplay gleichermaßen ein. Verliert Kloten diesen Dreh- und Angelpunkt, muss der Klub erneut umstrukturieren – mitten in der hektischen Playoff-Jagd.

Ein nomade zwischen sverige, suomi und der schweiz
Vor Kloten führte Leinos Weg durch die SHL und die Liiga. 13 Länderspiele für das Leijonat-Trikot, aber nie das ganz große Turnier. Olympische Ringe oder WM-Bronze blieben ihm verwehrt. Stattdessen wurde er zum Journeyman, der mit jedem Klubwechsel seine Arbeitsvisum-Sammlung erweitert. Nun also Tschechien – ein Land, in dem die Fans ihre Spieler mit Feuertonnen und Böllern empfangen. Für Leino ein neues Kapitel, für Kloten ein erneuter Abriss.
Intern hält sich der Verein bedeckt. «Wir kommentieren keine Transfergerüchte», lautet die Standardphrase aus dem Klubbüro. Doch die Kabine tickt schon. «Wenn dein Topscorer schon mitten in der Saison den Rückwärtsgang einlegt, fragen sich alle, wofür man sich eigentlich verschleißt», sagt ein Teaminsider, der namentlich nicht genannt werden will. Die Stimmung? «Gemischt zwischen Frust und Verständnis – schließlich ist die Karriere kurz.»
Für Manager Marco Bayer wird die Lage zur Geduldsprobe. Er muss nun entweder kurzfristig Ersatz finden oder interne Talente wie Leonardo Fabris früher als geplant durchstarten lassen. Beides kostet Punkte. Und Punkte kosten am Saisonende Plätze – möglicherweise den direkten Viertelfinalrang, den Kloten aktuell nur dank eines um zwei Treffer besseren Torverhältnisses hält.
Die Ablöse? Schweigen im Walde. Kometa Brno gehört zu den kreditwürdigen Klubs der Extraliga, doch mit Leino zieht kein NHL-Scout mehr die Daumen schrauben. Der Marktpreis für einen 32-jährigen Center mit 25 Punkten dürfte sich im mittleren sechsstelligen Eurobereich bewegen – ein Betrag, der für den EHC nicht entscheidend, aber auch nicht zu verachten ist. Wichtiger ist der Zeitfaktor: Wenn Leino schon vor dem 15. Februar die Koffer packt, fehlt ihm nicht nur ein Mitspieler, sondern auch die chemische Reaktion auf dem Eis, die man sich in der heißen Phase nicht erkaufen kann.
Kurz gesagt: Die Flughafenstädter droht erneut ein Frühjahrsdrama. Und diesmal ist nicht das Covid-Protokoll der Gegner, sondern die eigene Planung der Sand im Getriebe. Leino wird gehen – und Kloten muss wieder von vorne beginnen.
