Kappel fordert mehr inklusion: „viel potenzial im alltag“

Niko Kappel, der gefeierte Paralympics-Sieger von Rio, sieht Deutschland auf dem richtigen Weg in Sachen Inklusion, mahnt aber auch zu mehr Anstrengungen. Der Kugelstoßer, der seit seinem Triumph 2016 zwei weitere paralympische Medaillen errang, plädiert in einem neuen Podcast für eine umfassendere gesellschaftliche Akzeptanz und Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Schubladen denken überwinden

Schubladen denken überwinden

„Ich glaube, dass wir insgesamt als Gesellschaft auf einem sehr guten Weg sind“, erklärte Kappel im Podcast #wirgehenweiter der Stiftung Deutsche Sporthilfe. „Und ich hoffe, dass wir diesen Weg weitergehen.“ Doch der dreifache Weltmeister betont, dass im Alltag und im Sport noch enormes Potenzial schlummert. „Menschen werden oft zu früh in Schubladen gesteckt, ihnen wird nichts zugetraut oder sie trauen sich auch selbst nichts zu.“ Diese frühe Kategorisierung sei ein Hindernis für die Entfaltung individueller Fähigkeiten und Talente.

Kappel räumt ein, dass er sich „teilweise auch in einer Bubble“ befinde, sieht aber die deutliche Zunahme an Akzeptanz, Sichtbarkeit und Verständnis in den vergangenen Jahren. „Wenn man das mit der Situation vor zehn oder zwanzig Jahren vergleicht, hat sich viel getan. Darauf können wir aufbauen.“ Es geht darum, Ängste und Hemmungen abzubauen – die Sorge, im Umgang mit Menschen mit Behinderung etwas falsch zu machen. Die Angst lähmt oft mehr, als sie schützt.

Der Athlet, der sich seit Jahren für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen einsetzt, will mit gutem Beispiel vorangehen. Er möchte zeigen, dass jeder Mensch, unabhängig von seinen körperlichen Voraussetzungen, eine Chance verdient, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden und seine Berufung zu erfüllen. Die Zahl der Athleten mit Behinderung, die im Breitensport Fuß fassen, steigt stetig. Das ist ein Zeichen der Zeiten.

Kappels Botschaft ist klar: Inklusion ist kein Charity-Projekt, sondern eine Notwendigkeit für eine gerechtere und lebenswertere Gesellschaft. Wir müssen die Barrieren abbauen, die Menschen mit Behinderung im Alltag begegnen, und ihnen die gleichen Chancen eröffnen wie allen anderen. Nur so können wir das volle Potenzial jedes Einzelnen nutzen und eine Gesellschaft gestalten, in der Vielfalt als Stärke gesehen wird.