Laura wontorra packt aus: im dfb-camp droht langeweile wie in der provinz

Laura Wontorra betrat das DFB-Quartier in North Carolina – und schon nach wenigen Stunden wusste sie: Hier stimmt etwas nicht. Die Stimmung? Verhalten. Die Spieler? Lautlos. Die Erkenntnis: Der Lagerkoller ist kein Mythos, er schleicht sich durch die Flure.

Was die ard-moderatorin in den usa wirklich sah

Wontorra postete kurze Clips in ihre Instagram-Story. Man sieht Tische voller Energieriegel, ein Fitnessraum, der aussieht wie jeder Zweitliga-Keller, und Manuel Neuer, wie er allein am Pool sitzt – mit Kopfhörern, Blick in die Leere. „Man merkt, dass die Jungs den Saft nicht mehr kriegen“, kommentiert sie halblaut. Keine Show, kein PR-Sprecher, der alles glattbügelt. Just Laura, 1,76 Meter ehrliche Wortmeldung.

Das Problem: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft lebt seit zehn Tagen im Hyatt Regency Charlotte, einem Business-Hotel ohne sichtbare Seele. Trainingsgelände und Hotel sind durch eine sechsspurige Schnellstraße getrennt; Shuttle fährt, Stau kommt, Stimmung kippt. „Wenn du drei Mal am Tag dieselbe weiße Wand siehst, dreht dein Hirn durch“, sagt Wontorra. Die NBA macht es vor: Spieler bekommen individuelle Ausflüge, Escape Rooms, Familienbesuch. Der DFB? Strenge Blase, reduziert auf Taktikvideos und Bananen.

Warum die angst vor langeweile ernsthafte folgen hat

Warum die angst vor langeweile ernsthafte folgen hat

Psychologen des Deutschen Sportinstituts Köln bestätigen: Monotonie senkt Reaktionszeit und Entscheidungsfreude um bis zu 17 Prozent. Das ist der Unterschied zwischen Elfmeterheld und Ball ins Aus. Julian Nagelsmann versuchte, mit Quizduell-Abenden und einer eigenen Karaoke-Maschine Gegensteuer zu geben – doch laut Wontorra seienzwei Drittel der Spieler schon vor 22 Uhr auf dem Zimmer. Kein Fortnite-Turnier, kein TikTok-Dreh, keine nennenswerte Interaktion. „Die Jungs wirken, als wären sie auf Klassenfahrt – nur ohne Klassenlehrer, der Alkohol besorgt“, spottet die Moderatorin.

Die Folge: Gegen Brasilien wirkte das Team wie gelähmt. Erste Hälfte: 42 erfolgreiche Pässe in der eigenen Hälfte, nur neun im gegnerischen Drittel. Statistisch die passivste deutsche Halbzeit seit 2004. Wontorra fasst zusammen: „Wenn du keine Freude tankst, tankst du keine Tore.“

Jetzt bleiben noch maximal sechs Tage im Camp. Lösung? Nagelsmann will mobile Gaming-Busse und Kurz-Trips in die Blue Ridge Mountains genehmigt bekommen. Ob das reicht, den Seelenstau zu lösen, ist offen. Klar ist: Die nächste Gegnerin, Australien, hat ihre Spieler mit Familien und Surfboards angereist – und wirkt, wer hätte das gedacht, frischer.