Holdener schlägt zurück: silber im slalom-finale und die tränen von pyeongchang sind trocken

Wendy Holdener hat das letzte Slalomtor des Winters mit einem Lachen genommen. Silber in Åre – das reichte, um die Schweizerin auf den dritten Platz der Disziplinenwertung zu katapultieren und die Olympia-Katastrophe endlich abzuhaken.

Die zahlen, die zählen

0,64 Sekunden fehlten ihr auf Mikaela Shiffrin

, 34 Hundertstel Vorsprung retteten ihr die kleine Kristallkugel vor Katharina Truppe. Drei Podestplätze in den letzten vier Rennen – das ist keine Form, das ist ein Statement nach dem Tiefpunkt von Südkorea, wo sie als Vierte leer ausging.

Hinter der Siegerpose steckt ein kleiner Krieg. Holdener gestand, dass sie „zwischen den Felsen“ in Hongkong saß, als sie sich fragte, ob sie überhaupt zurückkommen wolle. Zehn Tage ohne Ski, dafür mit Therapie und Dim-Sum. „Ich musste raus aus dem Schweizer Winter, rein in ein Chaos, das mir half, die eigenen Prioritäten neu zu sortieren“, sagt sie. Seitdem fuhr sie dreimal aufs Podest, schaffte das Kunststück, in der Saison, die sie vorzeitig beenden wollte, doch noch auf Touren zu kommen.

Camille rast blickt bereits nach vorn

Camille rast blickt bereits nach vorn

Während Holdener feierte, verabschiedete sich Camille Rast mit Rang 13 aus dem Slalom-Jahr. Der 13. Platz ist kein Schönheitsfehler, sondern eine Quittung für monatelange Rückenschmerzen. „Der Slalom hat mir körperlich mehr zugemutet als der Riesenslalom“, erklärt sie und klingt, als würde sie soeben einen Marathon im Strickpullover absolvieren. Neuen Schwung will sie sich mit Claude-Alain Art holen – ihr künftiger Coach wohnt drei Gehminuten von Ex-Betreuer Denis Wicki entfernt. „Das ist praktisch, wenn ich mal wieder die Ski schreien lasse“, scherzt Rast.

Die Saison ist vorbei, die Rechnung offen: Shiffrin holte 11 der 12 Slalomsiege, Rast und Holdener lieferten sich einen Zweikampf um den kleinen Globus, den die 29-jährige Schwyzerin am Ende für sich entschied. „Konstant sein lohnt sich“, sagt Holdener und meint damit wohl auch sich selbst: ein ganzer Winter voller Achterbahnfahrten, der mit einer Medaille endet, die schwerer ist als Silber – nämlich die Gewissheit, dass sie noch lange nicht aufhören muss.