Daniel wernig springt zu den junglöwen: münster-klartext, mannheim-mission
Daniel Wernig packt seine taktische Mappe und verlässt nach sechs Jahren die TSG Münster – nicht irgendwohin, sondern direkt in die Nachwuchszentrale der Rhein-Neckar Löwen. Ab Sommer leitet der 38-Jährige die U23 des Bundesligisten in der 3. Liga und rückt damit ins Zentrum des Klub-Umbruchs.
Warum münster ihm plötzlich zu klein wurde
„Ich habe bewusst die Turbo-Taste gedrückt“, sagt Wernig, ohne die Sansibar-Truppe zu beleidigen. In Münster schraubte er ein Saisondurchschnittsalter von 22 Jahren auf Play-off-Reife – das reichte den Löwen als Referenz. Rolf Bechtold, Chef der Akademie, schwärmt: „Er kam, sah und überzeugte in Minute eins.“ Die Zahlen sprechen mit: 71 Prozent Siegquote in der vergangenen Regionalliga-Saison, 17 Spieler brachte er an die Uni oder in die Zweite Bundesliga.
Holger Löhr, bisher U23-Chef, wechselt auf eine Querschnittsaufgabe zwischen A-Jugend, Lizenzmannschaft und Scout-Pool. Co-Trainer Steffen Christmann dagegen verabschiedet sich komplett – beruflich wie privat neu ausgerichtet, wie der Verein formuliert.

Was der neue job kostet – und bringt
Wernig bekommt einen Zweijahresvertrag plus Option, ein Budget für zwei zusätzliche Videoanalysten und freie Hand im Kader. Die Löwen haben 14 Talente unter Vertrag, der älteste ist 21. „Ziel ist klar: mindestens zwei Jungs pro Saison an den Profi-Kader andocken“, sagt Bechtold. Die interne Vorgabe lautet: 25 Prozent Spielzeit in der Bundesliga bis 2026.
Mit Julian Köster (Torjäger der A-Jugend-Bundesliga) und Fynn Larsen (Rückraum-Allrounder) stehen schon zwei Kandidaten bereit, die Wernig in Münster selbst coachte. Ein Zufall? „Netzwerken nennt man das“, lacht der künftige Junglöwen-Coach.
Die TSG Münster reagiert gelassen: „Wir wissen, dass wir Ausbildungsklub bleiben und keine Endstation sind“, sagt Geschäftsführerin Meike Müller. Nachfolger wird voraussichtlich Assistenztrainerin Lisa Nolte – das wäre dann ein kleines Münster-Mädchen-Duo an der Seitenlinie.
Für Wernig beginnt jetzt die 300-Kilometer-Woche: Montag und Dienstag Scout-Trips in der Zweiten Liga, Mittwoch Video-Schnitt in Mannheim, Donnerstag Live-Training mit der U23, Freitag Rückflug nach Münster zur Übergabe. „Solange die Autobahn nicht staut, passt das“, sagt er und grinst. Dabei kennt er die A5 aus seiner aktiven Zeit bei der TSG Ketsch zur Genüge.
Die Löwen spielen am 20. Mai ihr letztes Saisonspiel in Stuttgart. Wernig wird dabei sein – nicht an der Bande, sondern auf der Tribüne. Er will jeden Profi einmal live sehen, bevor er sie in der Vorbereitung auf dem Court trifft. „Ein letztes Mal lauschen, dann loslegen“, sagt er. Die U23 startet am 12. August beim TV Hüttenberg in die neue Drittliga-Saison. Anpfiff 18.30 Uhr, Live bei Sportdeutschland.TV – und vermutlich mit zwei, drei Akteuren, die wir dieses Jahr noch in der SAP-Arena sehen werden.
