Sheffield wednesday stürzt ab: 37 spiele ohne sieg, minuspunkte und ein thunfisch-tycoon als buhmann

Sieben Monate. Kein einziger Sieg. Die letzte Freude datiert vom 20. September 2025, als Sheffield Wednesday in Portsmouth noch 2:0 gewann. Was danach folgte, ist kein Tief mehr – es ist der freie Fall. 37 Pflichtspiele ohne Dreier, 18 Minuspunkte wegen Insolvenz, ein Kader, der sich auf WhatsApp zusammensuchte, und ein Eigentümer, der Fans aufforderte, zweieinhalb Millionen Pfund aus der Portokasse zu zahlen. So sieht der Abstieg in die League One aus, der seit Februar feststand und seit Samstag offiziell besiegelt ist.

Ein klub wird lebendig begraben

Die Zahlen sind so grotesk, dass sie schon wieder schwarzen Humor erzeugen: 42 Partien, ein Sieg, 30 Niederlagen, Torverhältnis 21:79. Sheffield Wednesday steht bei minus vier Zählern, weil die EFL wegen Insolvenz und Steuerschulden zwölf plus sechs Punkte abzog. Die Spieler gingen seit Oktober 2025 ohne Geld aufs Feld, der Rasenplatz des Trainingszentrums verwilderte, weil die Gärtner nicht bezahlt wurden. „Es war ein schleichender Tod“, sagt Elias Kachunga, der 2020/21 vier Trainer an einem einzigen Tag erlebte und heute für Cambridge United kickt.

Der Mann, den die Fans verantwortlich machen, heißt Dejphon Chansiri. Der Thailänder, dessen Familie das weltgrößte Thunfisch-Konservenimperium kontrolliert, kaufte 2014 den damaligen Zweitligisten und versprach: Premier League oder nichts. Die Rechnung ging nicht auf. 28 Millionen Euro Ablöse in den ersten drei Jahren, zwei Playoff-Finalniederlagen, danach nur noch Leichen im Keller. Chansiri ließ Spieler monatelang auf Gehalt warten, verweigerte Steuerzahlungen, verhöhnte Anhänger: „Ihr habt kein Recht, mich zum Gehen aufzufordern.“ Als Protestbanner im August 2025 das Stadion füllten, verlegte er die Schuld auf „laute Pfeifkonzerte“ und verlangte Spenden.

Der platzsturm als letztes mittel

Der platzsturm als letztes mittel

Am 5. Oktober 2025 stürmten Hunderte den Rasen, nachdem Coventry City mit 5:0 abgefertigt hatte. Die Bilder gingen um die Welt: Eulen-Fans, die ein Leichentuch über den Hillsborough-Park legten, dabei „SOS“ und „Sell the club“ skandierten. Die Partie wurde unterbrochen, die Spieler in die Kabine geschickt. Viele von ihnen hatten schon vor Wochen gekündigt, weil wieder kein Geld kam. Trainer Danny Röhl, zuvor DFB-Coach bei der U-20, war ebenfalls raus. Die EFL verhängte eine Transfersperre bis 2027, die nächsten 15 Minuspunkte für die Saison 2026/27 liegen bereits auf Eis.

Die Mannschaft, die jetzt noch aufläuft, besteht aus Jugendspielern, Leihgaben und Freunden des Fitnesscoaches. Henrik Pedersen, einst Eintracht Braunschweig, versucht verzweifelt, eine Formation zu finden. Es nützt nichts. Die Gegner wissen, dass sie es mit einem Geisterklub zu tun haben. „Wir spielen gegen die Geschichte“, sagte ein gegnerischer Co-Trainer nach dem 0:0 in Coventry, „die Jungs wissen, dass Wednesday früher groß war.“

Ein us-investor und ein hauch hoffnung

Ein us-investor und ein hauch hoffnung

Die Rettung könnte David Storch heißen, ein Chicagoer Investor, der sich auf marode Sportmarken spezialisiert. Die Verhandlungen laufen, die Gerüchte kreisen. Storch ließ via BBC durchblicken: „Die Fans sollen den Klub wieder besitzen, wir sind nur die Hüter.“ Ein Satz, der in Sheffield wie ein Segen klingt. Doch selbst wenn die Unterschrift morgen trocknet, bleibt die Trümmerwüste. Die dritte Liga droht, weitere Punktabzüge auch. Die Spieler haben keine Ablöseklauseln, weil sie keine richtigen Verträge besitzen. Das Stadion, einst mit 40.000 Plätzen ausverkauft, verzeichnete zuletzt 9.300 Zuschauer – und das bei Pflichtspielpreisen von 15 Pfund.

Sheffield Wednesday war 1992 Gründungsmitglied der Premier League, spielte 1993 im UEFA-Cup-Halbfinale gegen Juventus. Heute schaut der Klub auf 37 sieglose Partien, eine Bilanz, die sogar die 1973er Tampa Bay Rowdies aus der NASL hinter sich lässt. Die Eulen sind nicht mehr nur abgestiegen, sie wurden aus der Geschichte geschrieben. Ob sie jemals zurückkommen? Die Antwort liegt nicht in der Tabelle, sondern in den Kontoauszügen eines Thunfisch-Milliardärs und dem guten Willen eines Investors aus Illinois. Die Fans haben schon mal ihre Trauerfeier abgehalten. Nun warten sie auf die Auferstehung – wenn sie denn kommt.