Iranerinnen tanzen auf dem valiasr-platz – zwei fehlen im triumph

Teheran schlug zurück. Tausende warfen sich gegen den Abendhimmel, als der Bus mit den Frauen der iranischen Nationalmannschaft auf dem Valiasr-Platz hielt. Jubel, Rosenblätter, Handys in Hochformat. Die Mannschaft, die vor Tagen noch „Verräterinnen“ genannt wurde, wurde plötzlich zur Heldin erklärt. Nur zwei Spielerinnen fehlten – sie bleiben in Australien, wo sie Asyl beantragt hatten.

Der lange weg zurück

Die Reise begann in Brisbane mit einem Flug nach Istanbul, dort mit einer zweistündigen Verspätung, weil australische Sicherheitskräfte die Passagiere einzeln überprüften. Die restlichen 21 Frauen trugen Hijab und Trainingsjacke, die Farben der Islamischen Republik auf der Brust. Am Flughafen Imam Khomeini angekommen, warteten Familien, Staatsfernsehen und ein Chor, der „Ey Iran“ sang – ein Patriotenhymne, keine Nationalhymne. Die Spielerinnen stiegen aus, weinten, umarmten ihre Mütter. Ein Mädchen schob sich durch die Menge und rief: „Ihr habt unser Herz nach Melbourne getragen.“

Die Trophäen, die auf der Bühne verteilt wurden, waren aus Plexiglas, nicht aus Gold. Die Botschaft dahinter: Ihr seid wertvoll, solange ihr hier seid. Denn wer das Land verlässt, wird schnell zum Feindbild. Genau das hatten sieben Spielerinnen erlebt, die ursprünglich Asyl wollten. Fünf zogen ihre Anträge zurück, nachdem Videos ihrer Elfer im Iran kursierten. Die zwei, die blieben, haben jetzt Nummern statt Namen in den Akten der australischen Behörden.

Die nicht-sängerinnen und ihre folgen

Die nicht-sängerinnen und ihre folgen

Vergessen war der Shitstorm vom 2. März. Beim Auftaktspiel gegen Südkorea hatten die Iranerinnen die Hymne ausgeschlossen, 90 Sekunden Stille, die im Staatsfernsehen als „Beweis westlicher Beeinflussung“ interpretiert wurden. Kommentatoren forderten Suspendierungen, ein Parlamentarier sprach von „geistiger Umerziehung im Ausland“. Jetzt, zwei Wochen später, wurde dieselbe Hymne von der Menge mitgesungen, während die Spielerinnen auf der Bühne standen. Die Ironie: Die Organisatoren hatten Lautsprecher aufgestellt, damit niemand wieder schweigen konnte.

Die vermissten beiden wurden nicht erwähnt. Stattdessen leuchtete eine 200-Quadratmeter-Bannerwand: „Meine Wahl. Meine Heimat.“ Darauf: elf Frauen in Trikot, Hand an der Stirn, Blick auf die Trikolore. Die zwei, die fehlten, wurden nachträglich mit Photoshop eingefügt. Ein kleiner Fauxpas, der auf Twitter binnen Minuten enttarnt wurde. Die Staatsmedien schalteten die Kameraperspektive danach um.

Der preis der rückkehr

Der preis der rückkehr

Menschenrechtsorganisationen berichten von mindestens 47 Fällen, in denen Familien von Sportlerinnen in den letzten zwölf Monaten vorübergehend festgenommen wurden. Die Methode ist simple: Druck auf die Eltern, damit die Töchter zurückkommen. Laut Informationen des iranischen Flüchtlingsrates in Ankara haben zwei Spielerinnen ihre australischen Visas bereits verlängert, doch ihre Pässe laufen in 18 Monaten ab. Ohne iranisches Konsulat können sie dann nicht reisen. Ein Teufelskreis.

Die 21, die zurückkehrten, erhalten laut Verband ein Einmal-Stipendium von umgerechnet 1.200 Euro. Ein Betrag, der in Teheran einen Gebrauchtwagen bedeutet, aber keine Sicherheit. Die Liga startet wieder im April. Ob sie dann auflaufen dürfen, entscheidet ein Gremium, das sich „Kommission zur Förderung der Sittlichkeit im Sport“ nennt. Das Treffen findet hinter verschlossenen Türen statt.

Die Busfahrt endete am Stadtrand, wo die Spielerinnen in kleine Transporter umstiegen. Keine Kameras mehr. Ein Teamchef zählte Köpfe, 21 statt 23. Für die zwei, die fehlten, hatte niemand einen Sitz freigelassen.