Mainz schreibt geschichte, doch der abstieg klopft schon wieder
Donnerstagabend: Europapokal-Viertelfinale. Sonntagnachmittag: Abstiegsgipfel. Mainz 05 spielt in dieser Woche zweimal Endspiel – und die Geschichten könnten nicht unterschiedlicher sein.
2:0 gegen Sigma Olmütz, Posch mit dem Kopf, Sieb mit dem Abschluss. Erstmalig steht der Club im Viertelfinale eines Europapokal-Wettbewerbs. Die Möwen fliegen, das Bruchstadion bebt. Doch kaum hat der Schlusspfiff das historische Ergebnis besiegelt, schon richtet Stefan Posch den Blick wieder nach unten: „Wir haben ein enorm wichtiges Spiel“, sagt er und meint Frankfurt. Rhein-Main-Derby. Abstiegskampf. Punkt.
Der traum von leipzig lebt – aber nur drei tage
Am 9. und 16. April kommt Racing Straßburg. Das Finale in Leipzig am 28. Mai? „Jeder darf träumen“, sagt Danny da Costa. Doch der Traum hat ein Verfallsdatum: Sonntag, 15.30 Uhr, DAZN. Dann empfängt Mainz Eintracht Frankfurt. Platz 15 gegen Platz 14. Sechs Punkte trennen die Rivalen, die Tabelle ist ein Pulverfass.
Urs Fischer lobt seine Mannschaft für die „unermüdlichen“ Läufe gegen Olmütz. 17 Torschüsse, 65 % Ballbesitz, ein verdienter Sieg. Doch er weiß: Die gleiche Intensität werden seine Spieler am Wochenende brauchen, nur mit einem anderen Ergebnisziel. Null Punkte aus den letzten vier Liga-Spielen. Die Nullfünfer haben in der Fremde verlernt, zu gewinnen. Daheim gegen Frankfurt droht das nächste Déjà-vu.
Die Logik des Fußballs ist gnadenlos: Wer in der Conference League jubelt, kann trotzdem Samstagabend im Keller stehen. Mainz hat beides erlebt in dieser Saison: das 5:1 gegen Bayern, das 0:4 in Heidenheim. Die Bandbreite ist das Problem. Nicht die Qualität, die Stabilität.

Poschs kopfball löst jubel aus – und neue sorgen
Der Jubel nach Poschs 1:0 war kurz, aber laut. Der Innenverteidiger traf mit der Stirn, nicht mit dem Fuß – symbolisch für eine Mannschaft, die sich den Weg nach oben erkämpft, statt ihn zu spielen. Doch der Kopfball hat einen Nebeneffekt: Gelb-Rot-Gefahr. Posch steht vor der Sperre, könnte im Derby fehlen. Ein Detail, das in Mainz niemand nach dem historischen Erfolg laut aussprechen will, das aber umso mehr umgeht.
Armindo Sieb macht das 2:0, sein zweites Europapokal-Tor in dieser Saison. Der 21-Jährige ist das lebende Beispiel für den Mainz-Weg: Leihspieler, Zweitliga-Torjäger, Europapokal-Held. Doch auch er weiß: Ohne Punkte gegen Frankfurt wird die Geschichte nur eine Fußnote bleiben.
Die Fans feiern bis in die Nacht, singen „Wir sind Mainz“ und träumen von Straßburg. Doch auf dem Trainingsplatz am Freitagvormittag steht schon wieder die andere Realität an. Rhein-Main-Derby. Sechs Punkte. Kein Spiel, sondern ein Befreiungsschlag.
Mainz hat Geschichte geschrieben. Jetzt muss sie überleben.
